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Als Kylie die Augen aufschlug, befand sie sich in einem hellen Wald. Die Bäume schienen schon fast unnatürlich zu leuchten. Alles war hell und freundlich. Vögel zwitscherten und der Geruch von süßen Beeren und frischer Beute ließ Kylies Magen wieder knurren. Wie war sie hierher gekommen? Wo war sie? Langsam rappelte sie sich auf und hielt inne. Ihr Bauch tat nicht mehr weh. Auf einmal kam ihr ein schrecklicher Gedanke. Hatte der Wind-Clan sie ausgesetzt, weil sie den Hund in Richtung Lager gelenkt hatte? Ging das überhaupt? Wäre sie dann nicht aufgewacht, während sie weggeschleppt wurde und wie hatten die Katzen sie überhaupt transportieren können? Im nächsten Moment wurde ihr aber klar, dass das ziemlich lächerlich war. Vielleicht war das nur ein Traum. Plötzlich raschelte es in einem der Büsche und Kylie fuhr eschrocken herum, die Krallen ausgefahren, bereit sich zu verteidigen. Doch als sie sah, wer da aus dem Busch heraustrat, beruhigte sie sich wieder. Federschweif kam auf sie zu und blieb vor ihr stehen. „Ist das ein Traum?“, wollte Kylie wissen. „Ja. Das ist das Territorium des Sternen-Clans.“ „Werde ich hier hinkommen, wenn ich tot bin?“ „Das ist eine Frage, die ich dir nicht beantworten kann, aber ich denke, es wird bei dir genauso sein wie bei mir. Ich bin in den Clans geboren, aber beim Stamm des eilenden Wassers gestorben. Jetzt wandle ich beim Sternen-Clan und beim Stamm der Ewigen Jagd.“ Panik machte sich in Kylie breit. „Heißt das, ich werde hier sterben? Ohne meine Eltern noch einmal umarmen zu können?“ Sie hatte sich im Streit von ihren Eltern getrennt und wünschte sich auf einmal nichts sehnlicher, als sich bei ihnen zu entschuldigen und ihnen zu sagen, dass sie sie lieb hatte. Vor lauter Heimweh wurde ihr ganz flau im Magen. „Nein! Natürlich nicht. Ich meinte damit, dass du wahrscheinlich auch zwischen dem Sternen-Clan und deinen eigenen Kriegerahnen wandeln kannst. Vorausgesetzt, ihr Menschen habt Kriegerahnen. Aber sicher bin ich mir dessen nicht, weil der Unterschied zwischen uns ist, dass du ein Mensch bist.“ „Der ungewollt in eine Katze verwandelt wurde!“ Kylie wurde sauer. „Ich habe nie darum gebeten, eine Katze zu werden! Ich möchte einfach nur wieder nach Hause!“ Federschweif sah sie mitleidig an. „Ich weiß. Das, was du durchmachen musst, ist wirklich nicht einfach! Du bist sehr tapfer, aber so sehr ich dir auch helfen möchte, ich kann dir nicht sagen, wie du dich zurückverwandelst.“ Das wäre ja auch zu einfach gewesen!, dachte Kylie frustriert. „Wieso nicht?“ „Hier im Sternen-Clan haben wir auch Regeln, die befolgt werden müssen.  Es tut mir wirklich leid, aber ich bin mir sicher, dass du das schaffst!“ „Und wenn nicht?“ Federschweif zögerte kurz. Was hatte dieses Zögern zu bedeuten? Hieß das, dass sie den Rest ihres Lebens bei den Clans verbringen müsste? Mit rohen Tieren als Nahrung? „Das wird nicht passieren!“, versicherte sie schließlich. Kylies Magen knurrte leise. Federschweif horchte auf. „Ich habe gesehen, dass du ein Problem damit hast, Frischbeute zu essen. Wenn du nicht bald damit anfängst, wirst du verhungern. Komm mal mit, wir üben das jetzt gemeinsam.“ „Was? Das Essen von toten Tieren?“ „Ja, und das Töten von ihnen.“ Kylie lief allein bei dem Gedanken daran ein eisiger Schauer über den Rücken. Federschweif lief auf den Busch zu, aus dem sie gekommen war und Kylie folgte ihr widerwillig. Die Zweige zerrten an ihrem Fell und Blätter schlugen ihr ins Gesicht. Kylie kniff die Augen zusammen. Als sie auf der anderen Seite des Busches wieder heraustrat, blickte sie auf weite Hügel mit saftigem grünem Gras. Der Wind trug einen süßlichen Geruch zu ihr, fast so wie… Erdbeeren. Die Sonne verschwand langsam hinter einem der Hügel und tauchte den Himmel in ein unglaubliches Spiel aus Farben. Genauso, wie Kylie es liebte.

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Federschweif stand mit leuchtenden Augen neben ihr. „Es ist wunderschön!“, flüsterte Kylie. „Konzentriere dich, Kylie. Kannst du sie riechen, deine Beute?“ Kylie schloss die Augen und hielt ihre Nase in den Wind. Tatsächlich konnte sie eine Maus riechen. Sie kauerte sich hin und schlich, die Nase auf den Boden gedrückt, dem Geruch nach. Schon bald konnte sie die Maus unter Grashalmen ausmachen und erstarrte. Die Maus hatte sie nicht bemerkt. Kylie blieb reglos sitzen und drückte sich noch enger an den Boden. http://www.zuerchertierschutz.ch/uploads/pics/pr_hh_k.jpg Langsam hob sie ihr Hinterteil, balancierte sich mit dem Schwanz aus und machte dann einen großen Satz nach vorne. Sie presste die Maus auf den Boden und hielt inne. Ihr fielen die ängstlich zuckenden Schnurrhaare auf und sie hörte wieder das leise Quieken. Kylie hob den Kopf und sah Federschweif an, die sich zu ihr gesellt hatte. „Ich kann nicht“, hauchte sie.  Federschweif legte den Kopf schief. „Irgendwann wirst du es schaffen. Du musst sie nicht umbringen, wenn du noch nicht bereit dazu bist. Aber du wirst es mit der Zeit lernen müssen.“ Kylie ließ die Maus los, die sich daraufhin schnell aus dem Staub machte. Dankbar sah sie Federschweif an. „Ich habe eine Maus für dich gefangen. Wenn du nicht lernst, Mäuse zu essen, wirst du irgendwann verhungern und das werde ich nicht zulassen!“ Kylie schluckte, wusste aber, dass sie Recht hatte. Ihr blieb keine andere Wahl. Federschweif schob ihr eine Maus vor die Nase. „Beiß einfach rein. Du kannst die Augen auch zumachen.“ Kylie sah auf die braune tote Maus. Sie ist tot, daran kann ich nichts mehr ändern. Entweder ich esse sie oder Würmer und andere Krabbelviecher übernehmen das für mich. Letzteres wollte sie der Maus auf keinen Fall antun, weshalb Kylie die Augen schloss, ein letztes Mal tief durchatmete und dann zaghaft in das weiche Fleisch hinein biss. Es war noch warm und das Fell kratzte ein bisschen in ihrem Hals, doch es schmeckte auch überraschend gut. Gierig schlang Kylie auch den Rest der Maus hinunter. Langsam schaute sie zu Federschweif. „Entschuldige, wolltest du auch etwas?“ Federschweif schnurrte. „Nein, ich hatte schon. Es hat dir geschmeckt, nicht wahr?“ Kylie nickte beschämt. „Du musst dich nicht schämen. So ist der Lauf des Lebens.“ Kylie nickte und murmelte: „Fressen oder gefressen werden.“ Federschweif führte sie zu einem kleinen Bach. Kylie bemerkte, wie durstig sie war und hielt ihre Schnauze ins kühle Nass. „Danke!“ Federschweif sah sie überrascht an. Damit hatte sie wohl nicht gerechnet. „Wofür?“ „Das du mich hierher gebracht hast!“  Sie neigte den Kopf. „Ich wünschte, ich könnte noch etwas für dich tun.“ Kylie überlegte kurz. „Vielleicht kannst du das ja wirklich.“ Federschweif spitzte die Ohren. „Du hast gesagt, du darfst mir nicht erzählen, wie ich mich zurückverwandle. Kannst du mir denn dann erzählen, wie ich mich verwandelt habe? Ich bin mir sicher, dass mich das weiterbringen könnte!“ Federschweif überlegte kurz. „Ja, es wird dich sogar sehr wahrscheinlich weiter bringen.“ „Und, erzählst du es mir?“ Federschweif seufzte. „Den genauen Vorgang kann ich dir nicht erklären, denn vieles ist durch Magie geschehen. Außerdem spielen noch Geheimnisse des Sternen-Clans eine Rolle, welche ich selbstverständlich nicht preisgeben darf. Was ich dir erzählen kann, ist, dass wir dir von unserem Blut gegeben haben. In dir ist mehr Katzen- als Menschen-DNS, weshalb du dich in eine Katze verwandelt hast. Deine menschliche DNS ist immer noch in dir, du musst nur erreichen, dass sie wieder überwiegt.“ „Und das soll mir jetzt helfen?“ Federschweif sah Kylie erwartungsvoll an, als erwarte sie, dass jeden Moment der Groschen fiel. Aber das tat er nicht. Sie seufzte. „Es wird dir ganz sicher helfen! Du brauchst nur Zeit, um es zu verstehen.“ Kylie war enttäuscht. Sie hatte sich mehr erhofft. „Ich habe dich gestern beobachtet“, sagte Federschweif plötzlich. „Von deinem Essenstrip ins Zweibeinerhaus bis hin zum Kampf mit dem Hund.“ Kylies Pelz fing an zu kribbeln und sie wandte den Blick ab. War sie der Meinung, sie sei nicht loyal? „Dein Kampf mit dem Hund, das war sehr mutig. Du magst zwar eine miserable Jägerin sein, dafür bist du aber umso besser im Kämpfen. Und das meine ich ernst. Dein Mentor hat mit dir noch kein einziges Mal das Kämpfen trainiert und doch konntest du dich hervorragend gegen den Hund wehren. Du bist ein richtiges Naturtalent im Kämpfen!“ „Das kommt daher, das ich in der Menschenwelt Kampfkunst mache. Ich habe einfach die Regeln befolgt, die mein Meister bzw. Mentor mir beigebracht hat.“ Federschweif nickte.  „Was du wissen solltest und wahrscheinlich auch schon bemerkt hast, ist, dass wir keine Zweibeinernahrung vertragen. Zumindest das meiste nicht. Rindengesicht hat dir Scharfgabe gegeben, wovon du dich übergeben hast. Alles, was du dort gegessen hattest, ist jetzt wieder draußen. Wenn du aufwachst, wirst du keine Krämpfe mehr haben, du wirst aber umso erschöpfter sein. Ich wollte dir nur sagen, was gleich auf dich zukommt.“ Federschweif trat nach vorne, berührte sie kurz an der Nase, drehte sich um und verschwand dann. Kylie blieb irritiert sitzen und schaute ihr hinterher. Die Sonne war inzwischen untergegangen und sie sah den Sternenhimmel so hell wie noch nie leuchten. Plötzlich drehte sich alles und Kylie schreckte hoch. Sie lag in dem Moosbett in Rindengesichts Bau und fühlte sich völlig ausgelaugt. Die Sonnenstrahlen, die durch die Zweige hereinfielen, sagten ihr, dass es Tag war. Nicht Nacht, so wie in ihrem Traum. Als sie sich umschaute, war niemand zu sehen. Sie konnte nur Miauen von draußen hören. Ihr Pelz war inzwischen wieder getrocknet. Erschöpft legte Kylie den Kopf auf ihre Pfoten und fiel, mit dem Geruch unbekannter Kräuter in der Nase, in einen traumlosen Schlaf.

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