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Kylie saß vor ihrem Bau und starrte auf den Frischbeutehaufen. Sie hatte seit zwei Tagen nichts gegessen und ihr war vor Hunger schon richtig schlecht. Und doch konnte sie sich noch nicht dazu durchringen, ein Kaninchen zu essen. Am Himmel funkelten die Sterne und es war noch stockdunkel. Kylies Magen hatte so laut gegrummelt, dass sie Angst gehabt hatte, ihre beiden Mitbewohner aufzuwecken, weshalb sie schließlich nach draußen gegangen war. Kylie seufzte und legte den Kopf in den Nacken. Eine kühle Brise fuhr ihr durch das Fell und ließ sie erschauern. Der Himmel war wolkenfrei. Kylie stellte stumm die Frage an den Himmel, was sie hier eigentlich sollte, in der Hoffnung der Sternen-Clan würde ihr endlich antworten. Da grummelte ihr Magen wieder. Das war jetzt wirklich nicht mehr zum Aushalten. Wenn Krähenfeder heute wieder mit mir auf die Jagd geht,  werde ich allein durch meinen knurrenden Magen die Beute im Umkreis von einer Meile verscheuchen. Plötzlich fiel Kylie etwas ein. Die Bäuerin hatte bestimmt irgendwo eine Öffnung, durch die sie in ihr Haus gelangen konnte. Welche Bäuerin hatte denn keine Katzenklappe? Andererseits  wusste Kylie nicht mal, ob sie eine Katze hatte. Sie könnte hineinschleichen und sich etwas Leckeres zum Essen holen. Sofort sprang Kylie auf die Pfoten. Einen Versuch war es wert. Leise schlich sie aus dem Lager und rannte über das Moorland. Die Sterne leuchteten ihr den Weg und dank des hellen Lichts des Mondes konnte sie sehen, dass ein Fenster der Bäuerin offen stand. Wer war denn so dumm, mitten in der Nacht sein Fenster offen stehen zu lassen? Wahrscheinlich fürchtete sie keine Einbrecher, da sie keine wertvollen Gegenstände besaß. Aber da hatte sie die Rechnung ohne Kylie gemacht. Kylie saß vor dem offenen Fenster und lauschte. Außer dem Plätschern des Wassers konnte sie nichts hören. Da war nur so ein widerlich stinkender Geruch. Kylie war sich sicher, ihn zu kennen, konnte ihn aber nicht zuordnen. Leichtfüßig sprang sie auf das Fensterbrett und landete zwischen zwei Blumentöpfen. Sie streckte den Kopf durch das Fenster und sah sich um. Unter ihr stand der Tisch und zog sich etwa zwei Meter weiter nach vorne, bevor er endete. Hinter dem Tisch stand ein weißer Kühlschrank mit Bildern von einem jungen Mann beim Skifahren. Wahrscheinlich der Sohn der Bäuerin. Den Kühlschrank konnte sie auf jeden Fall vergessen, außer ihr würden wie von Zauberhand wieder Hände wachsen, womit sie dann den Kühlschrank öffnen konnte. Ihr Blick fiel auf einen Gasherd, auf dem ein Handtuch lag. Rechts davon war eine Anrichte, auf der ein Karton stand. Aus diesem Karton ging ein köstlicher Geruch hervor. Eindeutig Pizza!! Kylies Magen knurrte wieder. Sie sprang auf den Tisch, von da aus auf einen Stuhl und dann auf den Boden. Sie betrachtete die Anrichte und bemerkte, dass sie um einiges höher als alle anderen Möbel in diesem Raum war. Da würde sie niemals hochkommen. Also wandte sich Kylie dem Gasherd zu und sprang. Diesmal unterschätzte sie jedoch die Entfernung und konnte sich gerade noch mit den Vorderpfoten am Gitter festhalten, das über dem Herd lag. Sie strampelte mit den Hinterpfoten und konnte auf den Herdknöpfen Halt finden. Als sie sich hochstemmte, drehte sie aus Versehen an den Knöpfen, nahm dies aber nur am Rande war. Für sie galt nur noch, ihren knurrenden Magen zu beruhigen und zur Pizza zu gelangen. Kylie sprang vom Gasherd auf die Anrichte und lunzte in den Karton. Eine halbe Pizza mit Salami und Pilzen lag darin. Ihre Lieblingspizza! Gierig verschlang Kylie ein Stück nach dem anderen, bis nichts mehr übrig war. Endlich hatte ihr Magen aufgehört zu knurren und das erste Mal fühlte sie sich in ihrer Katzenhaut wirklich wohl. Doch dieses Gefühl hielt nicht lange an, denn plötzlich fing es wie aus heiterem Himmel an zu regnen! Kylie fauchte überrascht auf und versuchte dem Nassen zu entkommen, doch in der ganzen Küche schüttete es. Sie blickte an die Decke und sah die Sprinkleranlage. So etwas hatte sie schon mal in einem Film gesehen, als das Haus angefangen hatte zu brennen. Aber wie sollte auf einmal das Haus anfangen zu… Der Herd! Kylie wirbelte herum und noch bevor sie sah, was sie angerichtet hatte, konnte sie es riechen. Es roch sehr verbrannt und nach Rauch. Das Tuch hatte wohl Feuer gefangen, als Kylie aus Versehen den Herd aufgedreht hatte. Jetzt war der komplette Herd kohlrabenschwarz und das Tuch, zumindest das, was davon noch übrig war, qualmte wie eine Nebelmaschine. Kylie fluchte leise und wollte gerade auf den Boden springen, um sich aus dem Staub zu machen, als der Gestank von vorhin zurückkam. Diesmal roch es schlimmer und diesmal konnte ihn Kylie zuordnen. Der Geruch von nassem Hund! Als Kylie ein Knurren hörte, sah sie von der Anrichte herunter und erblickte einen völlig durchnässten, wütenden Hund unter sich. Das mit dem auf den Boden springen konnte sie schon mal abhaken. Wie um Himmels willen sollte sie jetzt hier rauskommen? Ihr Blick fiel auf den nassen Tisch und dann auf das offene Fenster. Das war ihre einzige Chance. Sie atmete tief durch, schüttelte ihr Fell und sprang. Während sie durch die Luft flog, schickte Kylie ein Stoßgebet an den Sternen-Clan. Hart landete sie an der Kante des Tisches und ihr wurden durch dass nasse Holz die Pfoten weg gerissen. Schnell rappelte sie sich auf und sah sich um. Der Hund schien aus seiner Überraschung zu erwachen und sprang mit wütendem Gebell auf einen Stuhl, um sie zu verfolgen. Mit einem entsetzten Jaulen schlitterte Kylie über den Tisch auf das Fenster zu. Sie hörte noch wie jemand die Treppe runter kam und das Licht anschaltete, bevor sie mit einem großen Satz aus dem Fenster sprang. Kylie blieb nach den ersten paar Metern stehen und schüttelte sich das restliche Wasser aus dem Fell. Geschafft. Im nächsten Moment bemerkte sie, dass sie sich zu früh gefreut hatte. Denn sie sah den Hund wie in Zeitlupe aus dem Fenster springen, das braun-schwarze Fell fest an seinem Körper klebend. „Keks, Stooop!“ Das war die Bäuerin gewesen. Im Bruchteil einer Sekunde bemerkte Kylie, dass der Name gut zu ihm passte. Sein braunes Fell mit den schwarzen Flecken ähnelte wirklich einem Schokokeks. Dann wirbelte sie blitzschnell herum und sauste, gefolgt von einem wütend bellenden Hund, zurück in Richtung Lager. Sie bemerkte, dass sie dringend etwas für ihre Ausdauer tun sollte, denn lange konnte sie dieses Tempo nicht halten. Zu allem Überfluss fing ihr Bauch wieder an zu grummeln, diesmal jedoch nicht wegen Hunger. Sie waren nicht mehr weit vom Lager entfernt, als Kylie plötzlich einfiel, dass sie den Hund genau dort hinführen würde und das war wirklich keine gute Idee. Also wirbelte sie herum, um sich dem Hund zu stellen und ihre neuen Kameraden zu verteidigen. Auch der Hund machte kurz Halt, verwirrt darüber, dass sein Opfer gerade die Richtung geändert hatte. Nur war Kylie nicht wirklich nach Kämpfen zumute, weshalb sie erstmal versuchte, zu verhandeln. „Hallo erstmal, mein Name ist Kylie, aber du kannst mich auch Mond nennen. Ich bin eigentlich keine Katze, sondern ein Mensch, der in eine verwandelt wurde, weshalb du mir gehorchen solltest anstatt mich zu jagen. Ich bin in Frieden gekommen, nicht um deinem Herrchen etwas anzutun, sondern nur, um etwas Pizza zu essen und…“ Der Hund ließ sie nicht mal ausreden sondern stürzte sich gleich auf sie. Instinktiv zog Kylie den Kopf ein und duckte sich unter seiner Pfote weg, die sie am Kopf treffen sollte. Kylie sprang auf den Hund und grub ihre Krallen in sein Fell. Der Hund warf sich herum und schüttelte sich, um sie abzuwerfen. Das ist ja wie Rodeo reiten, überlegte sie belustigt. Plötzlich warf er sich nach hinten, sodass Kylie auf dem Boden landete und er auf ihr. Der Aufprall presste ihr die Luft aus der Lunge. Der Hund drehte sich um und schaute ihr ins Gesicht. Seine Augen leuchteten triumphierend und Speichel tropfte ihm aus dem offenen Maul. Doch Kylie wollte nicht aufgeben und fuhr ihm mit den Hinterpfoten über den offenen Bauch. Jaulend sprang der Hund zurück. Schnell rappelte sie sich auf und ging wieder auf ihn los. Kylie machte den Kampfsport Wing Tsun, aber das an einem Hund auszuprobieren wäre seltsam, vor allem da sie im Kampfunterricht immer Hände oder Füße benutzt hatte, was sie ja jetzt nicht mehr tun konnte. Also improvisierte sie, sauste um ihn herum und biss ihm in den Schwanz. Unter sein Jaulen mischte sich das von Katzen. Von mehreren Katzen. Kylie drehte sich um und sah Aschenfuß, Spinnenfuß und Krähenfeder auf sie zujagen. Ihren kleinen Moment der Unachtsamkeit nutzte der Hund aus und fuhr ihr mit seinen Krallen über den Kopf. Kylie heulte vor Schmerz auf und wirbelte wieder zu ihm herum. Sie biss sich in seinem Fell fest und zerfetzte ihm die Flanke. Doch plötzlich spürte sie einen so heftigen Stich im Magen, dass sie zurücktaumelte. Die drei Katzen hatten es inzwischen geschafft, den Hund zu vertreiben. Während Aschenfuß und Spinnenfuß dem Hund hinterherjagten, drehte Krähenfeder sich zu ihr um und musterte sie besorgt. „Ist alles in Ordnung?“ Kylie wollte gerade ja sagen, als sie einen noch heftigeren Stich im Magen spürte und sich mit einem unterdrückten Jaulen zusammenkrampfte. Keuchend starrte sie auf den Boden und sah kleine Punkte vor ihren Augen tanzen. Sie spürte, wie Krähenfeder sich gegen ihre Schulter drückte um ihr beim Laufen zu helfen. „Ich bring dich zu Rindengesicht. Du bist ja total nass. Wie ist das passiert? Außerdem riechst du komisch!“ Kylie schüttelte nur den Kopf. Sie hatte gerade keine Kraft, irgendetwas zu erklären. Inzwischen färbte sich der Himmel rot und die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne waren zu sehen. Krähenfeder brachte sie auf dem direkten Weg zu Rindengesicht. Dieser dirigierte sie zu einem Moosbett in der hinteren Ecke seines Baues. Erschöpft und am Ende ihrer Kräfte ließ Kylie sich darauf sinken. Krähenfeder setzte sich neben sie und beobachtete sie besorgt. „Was hat sie?“ wandte er sich an Rindengesicht. Rindengesicht begann, sie zu untersuchen. Als er zu Kylies Bauch kam und sie dort berührte, heulte sie laut auf und sprang mit einem Ruck auf die Pfoten. Sie war schweißgebadet und konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Ihre Knie, falls sie so etwas als Katze überhaupt besaß, waren weich wie Wackelpudding. Ihre Pupillen waren so groß, dass man das Blaue darum nur noch erahnen konnte. Sanft drückte Rindengesicht sie wieder zurück. „Ich werde Scharfgarbe holen. Sie hat wahrscheinlich eine Vergiftung.“ Eine Vergiftung? Ich werd` nie wieder Pizza essen! Scheiß Katzenkörper, ich will nach Hause! Warum habt ihr mir das angetan. Warum? Bitte Federschweif, antworte mir!, flehte Kylie verzweifelt. Sie bekam noch mit, wie Rindengesicht ihr etwas Ekliges in den Mund steckte und sie sich kurz darauf übergeben musste. Das letzte, woran sie sich erinnern konnte, bevor sie von Dunkelheit umfangen wurde, waren Krähenfeders besorgte große Augen.

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