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Nach diesem peinlichen Ereignis waren sie schweigend zurück zum Lager gegangen und Kylie hatte den Rest des Tages wieder frei bekommen. Nun lag sie im Schülerbau, den Schwanz über die Augen gelegt und verwünschte jedes dumme Wort, das ihr aus dem Mund gesprungen war. Krähenfeder hielt sie jetzt wahrscheinlich für krank oder total verrückt. Sie lag da und verwünschte alles vom Umzug bis zu ihrer Verwandlung. Konnte denn nicht einmal etwas gut gehen? Jedoch sprang sie nach einer Weile wieder auf die Füße und ermahnte sich, nicht in Selbstmitleid zu ertrinken. Nun galt es herauszufinden, wie sie sich wieder zurückverwandeln konnte. Kylie schlüpfte aus dem Bau und machte sich ein zweites Mal an diesem Tag auf den Weg zum Heilerbau. Als sie ihn gerade betreten wollte, kam ihr Rindengesicht schon entgegen. „Ah, hallo Mond. Ich wollte gerade auf Kräutersuche gehen. Was kann ich für dich tun?“ Kylie überlegte kurz und fragte dann: „ Ich habe den Rest des Tages frei. Darf ich dir helfen, Kräuter zu suchen?“  „Ich freue mich über jede helfende Pfote“, erwiderte er schnurrend. Er lief an ihr vorbei und bedeutete ihr mit dem Schwanz, ihm zu folgen. Als sie über das offene Moor liefen, hielt Kylie sich immer ein Stück hinter dem Heiler. „Ich bezweifle, dass du mir aus reiner Gutmütigkeit helfen möchtest, Kräuter zu sammeln, Mond. Also, was liegt dir auf dem Herzen?“, brach Rindengesicht das Schweigen, als sie den Bach erreichten, der zum Mondsee führte. „Ich bin ziemlich neugierig und hätte auf ein paar meiner Fragen gerne eine Antwort“, sagte Mond vorsichtig. „Aha. Und wieso fragst du nicht deinen Mentor?“ „Nun ja, ich denke, er hält mich für völlig durchgeknallt. Außerdem glaube ich, dass ein Heiler mir zu diesem Thema die besten Antworten geben kann.“ Rindengesicht seufzte. „Ich kann mir vorstellen, dass es mit Krähenfeder als Mentor etwas kompliziert ist, aber du darfst nicht zu streng mit ihm sein. Du musst wissen, Mond, er war sehr verliebt in eine Katze namens Federschweif. Sie ist gestorben, um ihm und dem Stamm des eilenden Wassers das Leben zu retten. Es hat ihn bis heute nicht losgelassen.“ Rindengesicht erzählte ihr eine Kurzfassung davon, wie die Clans an diesen Ort gekommen waren. Das weiß ich alles schon, dachte Kylie. Als er geendet hatte, fragte er sie: „Weißt du, wie Brennesseln aussehen?“ Kylie nickte. „Sammle davon, so viel du kannst!“ „Wofür sind die gut?“, wollte Kylie wissen. „ Brennesseln helfen bei Schwellungen. Du legst ihre Blätter darauf und die Schwellung geht zurück. Die kleinen, stacheligen, grünen Samen der Pflanze können Katzen gegeben werden, die durch Krähenfraß, Zweibeinerabfälle oder andere giftige Gegenstände vergiftet worden sind. Aber ich denke mal, diese Frage hat nichts mit dem zu tun, was du eigentlich wissen wolltest, oder?“ Kylie schwieg und hielt nach Brennesseln Ausschau. Als sie ein paar Brennesseln entdeckt hatte, machte sie sich daran, sie zu pflücken. „Was weißt du über den Sternen-Clan, Rindengesicht?“ Rindengesicht überlegte kurz und sagte dann: „Der Sternen-Clan besteht aus den Seelen der verstorben Clan-Katzen.  Nach dem Tod kommt eine Katze in den Sternen-Clan, wo sie Frieden findet. Katzen, die Böses getan oder das Gesetz der Krieger schwer gebrochen haben, kommen in den Wald der Finsternis. Heiler und Anführer haben die Fähigkeit, sich mit dem Sternen-Clan in Verbindung zu setzen. Nur wenige Krieger können im Traum mit Katzen aus dem Sternen-Clan sprechen und es kommt auch nur sehr selten vor. Der Sternen-Clan wacht über uns und durch ihn erhalten wir Prophezeiungen. Natürlich kann er nicht alles verhindern, aber er gibt sein Bestes, um uns zu schützen und würde uns jede erdenkliche Hilfe schicken, wenn wir sie brauchen.“ Kylie schluckte und musste wieder an Federschweifs Worte denken. Es wird etwas mit den Clans passieren, das wir nicht verhindern können. Wir können ihnen nur so viel Unterstützung schicken, wie sie brauchen und diese Unterstützung bist du. Aber bevor du ihnen helfen kannst, müssen sie dir helfen. Du musst das Geheimnis um deine Verwandlung lüften, nur durch dieses Wissen kannst du dafür sorgen, dass alles wieder zum Alten wird. Kylie holte tief Luft und fragte dann: "Was ist mit den Menschen? Können Menschen mit dem Sternen-Clan kommunizieren?" Rindengesicht, der gerade dabei gewesen war, eine Brennessel abzupflücken, erstarrte. „Beim Sternen-Clan, wie kommst du denn auf so einen absurden Gedanken?!", rief er. "Natürlich nicht! Wieso um Himmels willen sollte der Sternen-Clan mit den Monstern sprechen, die unsere Heimat zerstört haben?" Kylie zuckte verletzt zusammen. Rindengesicht hatte sie gerade als Monster bezeichnet, natürlich ohne es zu wissen. "Es sind bestimmt nicht alle so. Meine Hausleute waren immer nett zu mir!", protestierte Kylie. "Vielleicht nett, aber sie sind auch dumm. Sie benutzen Ungeheuer, um sich fortzubewegen." Jetzt war Kylie richtig wütend. Zwischen zusammengepressten Zähnen stieß sie hervor: "Ihr Clan-Katzen habt nicht das Recht, über etwas zu urteilen, was ihr nicht versteht. Eure Verachtung schöpft ihr doch nur aus der Angst vor der Unwissenheit. Ihr kennt die Zweibeiner nicht und beschimpft sie als dumm. Ihr versteht nicht, was sie tun und doch nennt ihr es sinnlos oder verachtet es einfach. Nur, weil nicht alles und jeder nach dem Gesetz der Krieger lebt, so wie ihr, heißt das noch lange nicht, dass es schlecht ist! Wie könnt ihr euch eine eigene Meinung zu etwas bilden, was ihr nicht ansatzweise begriffen habt?" Lange sah Rindengesicht sie nachdenklich und überrascht an. Dann fragte er: "Wie kommt es dann, dass du dir in deiner Meinung so sicher bist, dass die Zweibeiner eben genau das Gegenteil davon sind, was wir Clan-Katzen immer behaupten?" Kylie wollte gerade etwas erwidern, hielt sich dann aber zurück. Sie konnte als Katze nicht die Seite der Menschen verteidigen. Deshalb sagte sie nur: "Wir sollten zurück zum Lager. Die anderen machen sich bestimmt Sorgen, wo wir bleiben". Kylie nahm einen Haufen Brennesseln ins Maul und lief in Richtung Lager. An den leisen Pfotenschritten konnte sie hören, dass Rindengesicht ihr folgte, doch sie drehte sich nicht um.

Die Sonne ging schon unter, als sie das Lager erreichten. Kylie legte die Brennesseln zu vielen anderen Beeren und Kräutern, die sie nicht kannte, in den Heilerbau und machte sich dann erschöpft auf den Weg zu ihrem eigenen Schlafplatz. Erschöpft ließ sie ihren Schwanz hinter sich her schleifen. Plötzlich spürte sie ein Kribbeln in ihrem Nacken und drehte sich um. Krähenfeder saß vor einem Busch, vor sich ein Kaninchen, und verfolgte jede ihrer Bewegungen mit seinen Augen. Na toll. Heute habe ich wirklich so gut wie jeden dazu gebracht, mich für verrückt zu halten. Eigentlich waren es ja nur zwei Kater gewesen und trotzdem hatte Kylie das Gefühl, dass keiner in diesem Clan sie voll und ganz akzeptierte, weil sie anders war. Keiner außer Rennpfote. Eigentlich hatten sie heute noch etwas zusammen unternehmen wollen, aber daraus wurde jetzt wohl nichts mehr. Als Kylie den Schülerbau betrat, schliefen Eulenpfote und Rennpfote schon. Mit einem Seufzer ließ sie sich neben Rennpfote nieder und schloss die Augen. Der erste Tag im Wind-Clan war ja wirklich super gelaufen. Und anstatt etwas über ihre Verwandlung herauszufinden, waren nur immer mehr Fragen aufgetaucht, auf die sie gerne eine Antwort hätte. Wenn der Sternen-Clan nicht mit Menschen sprach, warum dann mit ihr? Hatte Rindengesicht etwas gemerkt und würde es Kurzstern erzählen? Wieso ausgerechnet sie? Und warum konnte sie nicht ein stinknormales Leben führen wie jedes andere fünfzehnjährige Mädchen auch? Mit diesen Fragen fiel Kylie schließlich in einen unruhigen Schlaf. 

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