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Kylie wurde von den vier Katzen über das Moorland geführt. Sie war eigentlich schon immer gut im Improvisieren gewesen, weshalb ihr auch sofort eine Antwort auf Krähenfeders Frage eingefallen war. Sie hatte ihm erzählt, dass sie gekommen war, um sich dem Wind-Clan anzuschließen und gerne mit dem Anführer sprechen würde. Krähenfeder hatte sie misstrauisch angeschaut, aber kein weiteres Wort gesagt. Nun waren sie auf dem Weg ins Wind-Clan Lager. Vorne weg lief Krähenfeder. Neben ihm trabte eine schwarze Kätzin, die er, soweit Kylie sich erinnern konnte, vorhin mit Nachtwolke angeredet hatte. Ständig versuchte sie, ihn in ein Gespräch zu verwickeln, doch er antwortete immer nur knapp, wenn überhaupt. Kylie konnte an der Art, wie sie ihn anschaute und mit ihm redete, genau erkennen, das sie total auf ihn stand. Aber genauso gut konnte man erkennen, dass er nicht an ihr interessiert war. Schließlich stand in den Büchern auch, dass er mit Blattsee zusammenkommen würde und erst danach mit dieser Nachtwolke. Kylie hatte sie schon vom ersten Moment an nicht leiden können. Rechts von ihr lief ein großer getigerter Kater und links von ihr ein kleinerer hellbraun getigerter Kater. Der Kleine warf ihr immer wieder neugierige Blicke zu, während der große Kater sie ignorierte. Keiner sagte ein Wort. Sie liefen nun einen kleinen Hügel hoch. Oben angekommen konnte sie eine Kuhle ausmachen, die von Steinen, Sträuchern und Büschen geschützt wurde. Ein fremder Geruch schlug ihr entgegen und sie konnte vereinzelt ein leises Miauen hören. Krähenfeder führte sie den Hügel hinab und in die Kuhle hinein. Sie krabbelten unter einem Busch hindurch und blieben in der Mitte der Kuhle stehen. Krähenfeder drehte sich zu ihr um und sagte: "Warte hier, ich werde Kurzstern holen." Mit diesen Worten verschwand er, gefolgt von Nachtwolke, unter einem kleinen Baum, der von Büschen umringt wurde. Direkt daneben stand ein Stein, wahrscheinlich hielt der Anführer darauf seine Reden. Neugierig sah Kylie sich weiter um. Am Rand der Kuhle sah sie zwei Katzen, die sich gegenseitig abschleckten. In den Büchern wurde das, glaube ich, Zunge geben genannt, überlegte sie. Sie hörten nun aber damit auf und beobachteten Kylie. Schnell wand sie wieder den Blick ab. Aus einem der Büsche funkelte ihr ein Augenpaar entgegen. Wie sich herausstellte, gehörten die Augen zu einer kleinen weißen Kätzin, die aus dem Busch hervortrat und sie neugierig musterte. Ihr Bauch war dick, was bedeuten konnte, dass sie zu viel aß oder dass sie Junge erwartete. Kylie glaubte eher letzteres. Denn alle Katzen hier wirkten ziemlich schlank. In dem Moment kam Krähenfeder wieder, mit Nachtwolke im Schlepptau. "Ich soll dich zu ihm bringen", sagte er knapp, drehte sich dann wieder um und marschierte ein zweites Mal auf den Baum zu. Langsam folgte Kylie ihm und versuchte die neugierigen Blicke, die sich in ihren Pelz brannten, zu ignorieren. Sie duckte sich leicht unter dem Baum hindurch und stand dann in einem kleinen Hohlraum. Über ihr breitete der kleine Baum seine Zweige aus, durch die nur vereinzelte Lichtstrahlen fielen. Kylie musste blinzeln, um sich an die plötzliche Dunkelheit zu gewöhnen. Auf einem kleinen Haufen Moos saß ein braun gescheckter Kater, höchstwahrscheinlich Kurzstern. Eine Weile sahen sie sich schweigend an und musterten einander.  Dann neigte Kylie höflich den Kopf. Kurzstern nickte kurz und wandte sich dann an Krähenfeder. „Du kannst uns nun alleine lassen.“ Krähenfeder warf einen letzten abschätzigen Blick auf Kylie und verschwand dann nach draußen. Warum war er nochmal meine Lieblingskatze gewesen?, dachte Kylie. Setz dich doch!“, ertönte die freundliche Stimme von Kurzstern. Sie warf ihm einen dankbaren Blick zu und setzte sich ihm gegenüber. Er war der Erste, seit ihrer Verwandlung, der nett zu ihr gewesen war. Naja, ihr Vater hatte ihr Milch angeboten, was in gewisser Weise auch nett war, aber Kylie zählte das nicht dazu. Andererseits war sie seitdem auch noch nicht sehr vielen Leuten, besser gesagt, Katzen begegnet. „Du möchtest dich uns also anschließen?“ fragte Kurzstern. Kylie nickte langsam. Sie hatte sich auf dem Weg hierher überlegt, was sie sagen sollte. "Wie kommt es also, dass du von uns weißt?" Auf diese Frage war sie vorbereitet gewesen. "Meine Freundin Lilly hat mir von euch erzählt." Das war sogar die Wahrheit. "Ich komme von sehr weit her, aus einem Ort Namens Lyllion", das entsprach auch noch der Wahrheit. "Dort habe ich als Hauskätzchen bei einem sehr netten Mann und einer sehr netten Frau gelebt. Lilly war die Nachbarskatze und sie hat mir von den Clans erzählt. Ihr Urgroßvater war angeblich Krieger im Wind-Clan. Da bin ich neugierig geworden und habe mich auf die Suche nach euch begeben, um zu schauen, wie ihr lebt." Das entsprach zumindest zum Teil der Wahrheit. Nachdenklich sah er sie an. "Wenn du dich als fleißiges Mitglied dieses Clans erweist…" "Das werde ich!" fiel Kylie ihm ins Wort. "Ich werde mein Bestes geben!" "Nun ja, wenn das so ist, wüsste ich nicht, warum ich es dir verbieten sollte, ein Mitglied unseres Clans zu werden. Wir können einen weiteren Krieger gut gebrauchen. Aber eine Frage hätte ich noch. Wie hast du uns gefunden?" Kylie zögerte. Was sollte sie darauf antworten? "Der Sternen-Clan hat mir den Weg gezeigt", sagte sie schließlich. Kurzstern machte große Augen. "Der Sternen-Clan hat mit dir gesprochen?!" "Ja. Die Kätzin, mit der ich geredet habe, hieß Federschweif." Eine Weile herrschte unangenehmes Schweigen. Dann sagte Kurzstern: "Ich werde einen Mentor für dich aussuchen, der dich unterrichtet und in alles einweist. In einem Mond werden wir sehen, wie du dich anstellst und wenn du bereit bist, wirst du dann deinen Kriegernamen erhalten. Solange ich überlege, soll Krähenfeder dir deinen Schlafplatz und den Rest des Lagers zeigen. Bevor du gehst, würde ich aber gerne noch erfahren, wie du heißt." Kylie erstarrte. Das war das Einzige, worüber sie sich noch keine Gedanken gemacht hatte. Plötzlich sah sie vor ihrem inneren Auge wieder den blutroten Mond vor sich. "Ehm, ich heiße Mond", sagte sie. "Ein schöner Name. Willkommen im Wind-Clan, Mond." Kylie neigte den Kopf, machte kehrt und schlüpfte aus dem Anführerbau hinaus. Nachdem sich ihre Augen wieder an das helle Licht gewöhnt hatten, suchte sie die Senke nach Krähenfeder ab. Er unterhielt sich am anderen Ende des Lagers gerade mit einer grauen Kätzin. Als Kylie auf ihn zuging, spürte sie wieder die Blicke der anderen auf sich. Sie stachen ihr wie heiße Nadeln in den Pelz. Kurz bevor sie ihn erreicht hatte, drehte er den Kopf zu ihr und musterte sie von oben bis unten. Die graue Kätzin stand auf und sagte: "Hallo, mein Name ist Aschenfuß. Ich bin die zweite Anführerin des Wind-Clans. Darf ich annehmen, dass wir nun ein neues Clan-Mitglied haben?" "Ja, so ist es. Mein Name ist Mond. Kurzstern hat mir gesagt ich soll zu Krähenfeder gehen, damit er mir das Lager zeigt." "Wenn das so ist, dann hole ich mir jetzt erst einmal ein Kaninchen. Mein Magen knurrt lauter als ein Grizzlybär." Aschenfuß fuhr Krähenfeder mit der Zunge über die Stirn und ging dann zu einem kleinen Haufen toter Tiere, wahrscheinlich der Frischbeute-Haufen, wo sie sich ein Kaninchen runternahm und sich damit an ein sonniges Plätzchen setzte, wovon es hier ja genügend gab. Kylie blickte ihr nach und fragte dann neugierig: "Ist das deine Gefährtin?" Sie wusste zwar, dass das im Buch nie erwähnt wurde, aber andererseits stand da auch nirgendwo etwas von einer Katze namens Mond, die eigentlich ein Mensch war. Entsetzt riss Krähenfeder die Augen auf und starrte Kylie an. "Das war meine Mutter!" Wenn Katzen rot werden könnten, sähe Kylie jetzt wahrscheinlich aus wie eine Tomate. Stattdessen fühlte sie, wie ihr Pelz heiß wurde und anfing zu kribbeln. "Oh mein Gott! Das wusste ich nicht, tut mir leid!" Verwirrt sah Krähenfeder sie an. "Oh mein Gott?" Mist! Die Clan Katzen kennen ja gar keinen Gott! "Ehm, was ist jetzt, zeigst du mir das Lager?", fragte sie schnell um das Thema zu wechseln. Er musterte sie durch zusammengekniffene Augen, erhob sich aber schließlich. Als erstes zeigte er ihr den Kriegerbau. Dieser befand sich unter einem größeren Busch. Der Schülerbau, in dem Kylie die Nächte verbringen sollte, war gut mit Gras und Zweigen geschützt und sah recht gemütlich aus. Außer ihr schliefen da noch Eulenpfote und Rennpfote. Nebeneinander und geschützt unter Büschen befanden sich Heilerbau, Kinderstube und Ältestenbau. Die Kinderstube war leer und der Heiler, Rindengesicht, war auf Kräutersuche. Im Ältestenbau trafen sie auf eine schildpattfarbene Kätzin namens Morgenblüte und auf einen cremefarben-braun gestreiften Kater namens Haferbart. Die beiden schienen sich zu freuen, dass der Wind-Clan endlich wieder Nachschub an jungen Kriegern bekam. Morgenblüte fing jedoch an, abzuschweifen und Geschichten aus ihrer Kindheit zu erzählen, während Krähenfeder, sichtlich genervt, versuchte, einen Grund zu finden, warum sie wieder gehen mussten. Kylie störte es nicht, der alten Kätzin zuzuhören. Sie selbst hatte ihre Großeltern nie kennengelernt und sich immer eine Oma oder einen Opa zum Geschichtenerzählen gewünscht. Ihr gingen eher Krähenfeders Kommentare auf die Nerven. Gerade als sie ihn anfahren wollte, doch mal die Schnauze zu halten, hörte sie Kurzsterns Stimme durch das Lager hallen: "Alle Katzen, die alt genug sind, ihre eigene Frischbeute zu fangen, versammeln sich bitte unter dem Stein!" "Er hat wohl einen Mentor für dich gefunden", vermutete Krähenfeder. Alle vier begaben sich auf den Weg nach draußen, wo sich die anderen Katzen schon zum Großteil versammelt hatten. "Wie ihr sicher schon bemerkt habt, gibt es eine neue Katze hier im Wind-Clan. Ihr Name ist Mond und sie ist den weiten Weg von Linolln hergekommen, um sich unserem Clan anzuschließen." Lyllion, aber nah dran, dachte Kylie, sagte aber nichts. "Da sie schon zu alt für eine Schülerzeremonie ist, wird ihr zwar ein Mentor zur Seite gestellt, jedoch bekommt sie nach einem Monat ihren Kriegernamen und wir werden auf die Schülerzeremonie verzichten." Krähenfeder beugte sich zu Kylie rüber und murmelte: "Auch wenn das keine richtige Zeremonie ist, musst du zu deinem Mentor gehen und ihr müsst euch an der Nase berühren." Kylie nickte leicht, um zu zeigen, dass sie ihn verstanden hatte. "Also gut, dein Mentor für den nächsten Monat wird Krähenfeder sein. Ich hatte dir ja versprochen, dass du als nächstes einen Schüler bekommst." Krähenfeder war anzusehen, dass er das überhaupt nicht erwartet hatte. Er starrte seinen Anführer mit großen Augen an, gab sich dann aber einen Ruck und wandte sich an Kylie. Sie zögerte, berührte dann kurz seine Nase und blickte wieder zu Kurzstern. "Willkommen im Wind-Clan, Mond!" Die anderen Katzen stimmten ein und hießen sie Willkommen. Ab und zu spürte sie einen freundschaftlichen Stups an der Schulter, aber das nahm sie nur am Rande wahr. Krähenfeder, ihr Mentor? Na, das konnte ja lustig werden!

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