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Kylies Kopf summte so laut, als würde ein ganzer Schwarm Bienen um ihn  herumfliegen. Sie versuchte, sich an irgendetwas zu erinnern, doch ihr Kopf war so leer wie ihr Magen. Langsam öffnete Kylie die Augen. Sie lag am Ufer eines Teiches. Wie war sie hierher gekommen? Kylie gähnte ausgiebig und streckte alle vier Pfoten genüsslich in der Wärme der aufgehenden Sonne.
Moment mal! Ihre vier Pfoten? Mit einem Satz war Kylie auf den Beinen oder besser gesagt Pfoten. Entsetzt starrte sie an sich herunter. Überall sah sie nur Fell, schwarzes Fell. Vorsichtig hob sie eine Pfote, um sie genauer zu betrachten und verlor dabei das Gleichgewicht. Sie taumelte und fing sich am Rande des Sees wieder, bevor sie hineinfallen konnte. Dabei fiel ihr Blick auf ihr Spiegelbild und sie zog scharf die Luft ein. Ihr schaute eine braun-weiße Kätzin mit schönen grünen Augen entgegen. Das konnte nicht wahr sein! Sie musste träumen! Langsam wich Kylie vor dem Wasser zurück und spürte unter ihren Pfoten etwas Feuchtes und Klebriges. Blut! Da fiel ihr alles wieder ein. Der Streit mit ihren Eltern, ihre nächtliche Wanderung, die Katzen, die um den See herum gesessen hatten und Federschweif. Sie hatte doch von einer Verwandlung gesprochen, oder? Von einer Verwandlung und den Clans. Verwirrt ließ Kylie sich auf ihren Katzenhintern plumpsen und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. Das war einfach zu viel des Guten. Sie musste es irgendwie schaffen, wieder ein Mensch zu werden, sonst würden ihre Eltern…. Ihre Eltern! Sie dachten, Kylie wäre in diesem Internat und obwohl Kylies Mutter ihr versprochen hatte, sich nicht bei ihr zu melden, wusste sie, dass ihre Mutter sich nicht an dieses Versprechen halten würde. Und wenn sie das nicht tat, würde sie herausfinden, dass Kylie nicht im Internat angekommen war und vor Sorge bestimmt umkommen! Sie musste zu ihrer Mutter und versuchen, alles zu erklären. Schnell rappelte Kylie sich auf und sah sich um. Sie könnte dem Pfad zu einer Öffnung folgen. Doch irgendwie hatte sie das Gefühl, sie würde hier schneller wegkommen, wenn sie auf demselben Weg ging, auf dem sie gekommen war. Langsam ließ sie sich ins Wasser gleiten und paddelte leicht auf die Dornenbarriere zu. Kylie spürte die warmen Strahlen der Morgensonne auf ihrem Rücken. Wie lange war sie bewusstlos gewesen? Nur von der Nacht bis zum Morgen oder waren schon Tage vergangen? Sie konnte es nicht sagen. Ein letztes Mal rang Kylie nach Luft und tauchte dann unter der Dornenbarriere durch. Sofort wurde sie von einer Strömung ergriffen und in den Fluss hinausgespült. Strampelnd versuchte sie an die Oberfläche zu kommen, um nach Luft zu schnappen. Doch der eisige Griff des Wassers setzte sich in ihrem Fell fest und zog sie noch weiter hinunter. Kylies Pfoten schrammten an Steinen entlang und rutschten über den Kiesboden. Der Sauerstoffmangel sorgte dafür, dass ihr wieder schwindelig wurde. Als sie von einer besonders starken Strömung auf den Grund des Flusses gedrückt wurde, stieß sie sich mit aller Kraft, die sie aufbringen konntem vom Boden ab und durchbrach schließlich mit dem Kopf die Wasseroberfläche. Gierig zog Kylie die Luft in ihre Lunge und strampelte weiter mit ihren Pfoten, um über Wasser zu bleiben. Plötzlich streifte ihre rechte Pfote an einem Ast entlang, der ins Wasser hing. Reflexartig fuhr sie die Krallen aus. Das Wasser zerrte jedoch so heftig an ihr, dass sie sich nur mit Mühe halten konnte. Schließlich schaffte sie es, sich auch mit der anderen Pfote an dem Ast festzuklammern. Mit letzter Kraft hangelte sie sich daran in Richtung Ufer und bald darauf hatte sie wieder trockenen Boden unter den Füßen. Erschöpft ließ Kylie sich auf die Seite fallen. Sie hörte wie das Blut in ihren Ohren rauschte und atmete rasselnd ein. Die warmen Strahlen der Sonne wärmten ihr Fell und schon bald war Kylie wieder in der Lage aufzustehen. Sie sah sich um und bemerkte, dass sie den See schimmern sehen konnte. Zum Glück war sie an der richtigen Seite des Flusses an Land geklettert, so dass sie das Wasser nicht noch einmal durchqueren musste. Kylie lief noch eine kurze Weile am Fluss entlang, bevor sie auf das offene Moorland rannte. Der Wind peitschte ihr nur so ins Gesicht, als sie über das Gras preschte. Panik machte sich in ihr breit, als sie sich ausmalte, wie ihre Mutter reagieren würde, wenn sie ihr erklärte, dass ihre Tochter über Nacht zur Katze geworden war. Sofort verlangsamte Kylie ihre Schritte. Andererseits wäre eine zu Tode geschockte Mutter besser als eine mausetote Mutter. Eigentlich blieb ihr keine andere Wahl. Was sollte sie sonst tun? Im Wald leben und nur noch Mäuse essen? Nicht sehr praktisch, da Kylie ja eigentlich beschlossen hatte, Vegetarierin zu sein. Inzwischen hatte sie das Ende des Moorlandes erreicht und stand an der verfallenen Halbbrücke, an der sie gestern Abend noch auf den See geschaut und geweint hatte. Inzwischen war sie sogar der Meinung, dass es im Internat ganz schön sein konnte. Zumindest war es besser, zwei Monate in einem Internat zu verbringen, als den Rest seines Lebens in einem Katzenkörper. Was war eigentlich mit ihrem menschlichen Körper passiert? Doch Kylie hatte keine Zeit mehr, weiter darüber nachzudenken, denn inzwischen hatte sie ihr neues Zuhause erreicht und hörte Stimmen aus dem offenen Küchenfenster. Eindeutig ihre Eltern, die sich stritten. „Aber was ist, wenn sie nicht angekommen ist?“ fragte ihre Mutter gerade. „Wenn sie nicht angekommen wäre, hätte jemand aus dem Internat angerufen und sich nach ihr erkundigt. Schatz, wenn du jetzt anrufst, wird sie uns wahrscheinlich nie wieder verzeihen. Mich hat ja alleine schon der Gedanke gestört, sie in ein Internat zu stecken, aber wenn wir jetzt auch noch die Versprechen brechen, die wir ihr geben…“. Ihre Mutter seufzte hörbar. „Du hast ja recht, aber ich würde so gerne wissen, wie es ihr geht und ob sie uns verzeihen kann!“  Kylie holte noch einmal tief Luft und sprang dann auf die Fensterbank. Ihre Mutter und ihr Vater saßen zusammen am Frühstückstisch und aßen Brötchen. „Hey Mom, hey Dad“ fing sie an. „ Ich weiß, dass ist jetzt ein bisschen verrückt, ich meine, eine sprechende Katze sieht man auch nicht alle Tage. Aber ich bin auch nicht irgendeine sprechende Katze, sondern Kylie, eure Tochter.“ Angespannt wartete Kylie, ob jemand in Ohnmacht fallen würde, doch stattdessen stand ihr Vater auf und ging mit einem Lächeln auf Kylie zu. „Na, du süßes Kätzchen, hast du  kein Zuhause?“ fragte er mit zuckersüßer Stimme. „Ähm, Dadm ICH bin es doch!“ „Willst du etwas Milch oder ein bisschen Wurst haben?“ Entgeistert starrte Kylie ihren Vater an, der leicht gebückt vor ihr stand, um mit ihr auf Augenhöhe zu sein. „Schatz, gib der Katze bloß nichts zum Fressen, sonst kommt sie wieder und wer weiß wie viele Flöhe ihr im Fell sitzen!“, rief ihre Mutter. Seufzend erhob sich ihr Vater wieder und sah sie mitleidig an. „Tja, du hast es gehört. Die Chefin hat gesprochen. Es tut mir wirklich leid, aber vielleicht kann ich dir bis zu unserer nächsten Begegnung etwas Schinken aufheben.“ Er zwinkerte ihr zu, strich ihr kurz über den Kopf und schloss dann das Fenster vor ihrer Nase. Perplex beobachtete Kylie, wie ihre Eltern den Küchentisch aufräumten, sich fertig machten und dann zur Arbeit fuhren. Erst nachdem sie das Brummen des Motors nicht mehr hören konnte, war sie wieder einigermaßen in der Lage, klar zu denken und sprang von der Fensterbank. Hatten ihre Eltern nicht zugehört? Oder noch schlimmer, konnten sie überhaupt etwas anderes als ein Miau verstehen? Darüber hatte Kylie bis jetzt noch gar nicht nachgedacht. Wenn sie ihren Eltern nicht sagen konnte, was mit ihr passiert war, dann würden sie erst spätestens in zwei Monaten herausfinden, dass sie das Internat nie erreicht hatte und dann würde ihre Mutter bestimmt einen Herzinfarkt bekommen und sie konnte es nicht einmal verhindern. Außer sie fand innerhalb der zwei Monate heraus, wie sie sich zurückverwandeln konnte. Dann gab es noch die Möglichkeit, die ihr am besten gefiel: Alles war nur ein Traum!

Kylie schlug wieder den Weg zur verfallenen Halbbrücke ein und ließ sich auf die übriggebliebenen Holzbalken sinken. Sie legte sich hin und schloss die Augen, in der Hoffnung, dass, wenn sie sie wieder öffnete, alles wie zuvor war. Kylie atmete tief ein und wieder aus und versuchte einzuschlafen. Sie konzentrierte sich auf das Rauschen des Windes und das leise Plätschern des Wasser, welches ihr lauter als normalerweise vorkam. Plötzlich fiel ihr auf, dass alles lauter war. Kylie setzte sich kerzengerade hin und spitzte die Ohren. Sie konnte das Rascheln von Mäusen hören, die nach etwas zum Essen suchten, das Bellen vom Hund ihrer Nachbarin, das Zwitschern der Vögel und das Summen der Insekten, die überall herumflogen. Alles klang lauter als sonst. Das war noch nicht alles. Sie konnte weiter und schärfer sehen. Ihr stachen Kleinigkeiten ins Auge, auf die sie früher nie geachtet hätte. Kylie konnte den See riechen, sie roch den Gestank des Autos, mit dem ihre Eltern vor ein paar Minuten weggefahren waren und die frisch gewaschene Wäsche, die die Bäuerin gerade auf eine Wäscheleine hängte. Sie konnte die Splitter des morschen Holzes unter ihren Pfoten spüren und wie es ihr in die sanften Ballen stach. Langsam erhob Kylie sich. Plötzlich überkam sie das Verlangen, an allem zu riechen, was ihren Weg kreuzte, alles zu fühlen, zu hören und genau anzusehen. Sie lief wieder auf das Moorland, warf sich in ein Moosbüschel und wälzte sich darin herum. Dann lief sie am Rand des Sees entlang und sah auf die andere Seite hinüber, wollte jede Kleinigkeit genau ins Auge fassen. Kylie war so begeistert über ihre geschärften Sinne, dass sie die vier Katzen, die auf sie zuschlichen, erst bemerkte, als diese direkt hinter ihr standen. Erschrocken und verängstigt kauerte sie sich auf den Boden und sah jeden der Reihe nach an. Sie waren nicht sehr groß und wirkten auch nicht gerade freundlich. Ein schlanker dunkelgrauer Kater trat vor und musterte sie aus blauen Augen. „Was hast du hier zu suchen? Das ist unser Territorium!“ Obwohl sie diesem Kater noch nie zuvor begegnet war, konnte sie ihm sofort einen Namen zuordnen. Krähenfeder, ihre Lieblingskatze aus Warrior Cats.

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