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Kylie lag in ihrem Bett und starrte Löcher in die Wand. Sie hatte sich nach dem Streit mit ihren Eltern in ihrem Zimmer eingeschlossen und war nicht mehr herausgekommen. Lustlos hatte Kylie das Nötigste in einen Koffer geworfen und ihn dann unters Bett geschoben, damit sie nicht drüber stolperte. Doch jetzt konnte sie nicht einschlafen. Immer und immer wieder wurde ihr bewusst, was ihre Eltern ihr angetan hatten. Als Kylie auch noch die Tränen in die Augen stiegen, befreite sie sich von ihrer Bettdecke und beschloss, nach draußen zu gehen, um einen freien Kopf zu bekommen. Ihr Blick glitt aus dem Fenster zum See. Er schimmerte so einladend, dass sie schließlich ihre Badesachen unter ihre Klamotten anzog. Vorsichtig öffnete sie die Tür und lauschte. Aus dem Zimmer gegenüber konnte sie ihren Vater schnarchen hören. Leise schlich sie auf die Treppe zu. Als Kylie den Fuß auf die erste Treppenstufe setzte, knarrte es laut. Erschrocken hielt sie inne und lauschte wieder, doch außer dem Schnarchen ihres Vaters war nichts zu hören. So ging das die ganze Treppe lang. Sie machte einen Schritt nach unten, es knarzte und sie horchte. Schließlich kam sie ohne besondere Zwischenfälle im unteren Flur an. Kylie atmete erleichtert auf. Sie öffnete die Haustür und trat ins Freie. Die warme Nachtluft schlug ihr entgegen. Kylie lief los in Richtung See und ohne sich noch einmal umzusehen, ob einer ihrer Eltern sie verfolgte. Als sie den See erreichte, wandte sie sich nach rechts und lief auf das Moorland zu. Aber anstatt die Hügel hochzulaufen hielt sie sich am Wasser. Kylie hätte gerne von den Hügeln aus die Aussicht genossen, doch irgendetwas hielt sie zurück. Sie schaute immer wieder auf den See und überlegte, ob sie überhaupt eine schöne Stelle finden würde, an der sie schwimmen konnte. Irgendwie hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden, was albern war, da in dieser Gegend sonst niemand mehr wohnte. Nach einer Weile erreichte Kylie einen Bach. Dunkel floss das Wasser dahin. Die Sterne, die sich im Wasser spiegelten, sorgten dafür, dass es aussah als würde sich eine kleine Leiter den Bach hochwinden. Kylies Neugier war geweckt. Woher kam der Bach, der wie die Milchstraße zu leuchten schien? Nach kurzem Zögern machte sie sich auf, dem Wasserlauf bis zu seiner Quelle nachzulaufen. Wie in Trance folgte sie dem Bach aus dem Wald hinaus und den Berg hinauf. Kylie lief immer weiter. Noch konnte man normal laufen, doch schon bald musste sie anfangen zu klettern. In Kylies Ohren gurgelte der Bach und es hörte sich an, als würde es mit jedem Schritt ein wenig lauter werden. Sie wusste nicht, wie lange sie schon lief und es war ihr egal. Sie kam an eine Schlucht, die wie ein Loch aussah, mit steilen Hängen zu beiden Seiten, an denen Ginster und vertrocknete Farnbüschel wuchsen. Überall lagen Felsbrocken, weshalb Kylie aufpassen musste, das sie nicht hinfiel.  Als sie schließlich am Ende des Tals angekommen war, versperrte ein kahler Steilhang Kylie den Weg. Kylie sah nach oben in den Himmel und seufzte: „Ich bin wirklich verrückt!“, bevor sie anfing, sich aufwärts zu hangeln. Es fühlte sich an, als wäre die Quelle zu finden das Wichtigste, was es auf der Welt gab. Sie konnte an nichts anderes mehr denken. Kylie kletterte das immer steiler werdende Gelände entlang, bis der glitzernde Bach hinter einer Barriere aus Dornengestrüpp verschwand. Kylie blieb stehen und zögerte. Sie war sich sicher, dass das, was sie so magisch angezogen hatte, hinter dieser Barriere war. Wenn sie durch das Dornengestrüpp an der Seite des Baches weiterlaufen würde, würde sich Kylie die Haut zerfetzen. Schließlich sprang Kylie in den Bach, wild entschlossen unter der Barriere durch zu tauchen.  Mit kräftigen Zügen schwamm sie gegen die Strömung an, bewegte sich aber kaum vorwärts. Schließlich rammte sie ihre Füße in den Kies des Baches und stemmte sich mit aller Kraft dagegen. Sie hielt die Luft an und tauchte mit dem Kopf unter. Mit einem Fuß fand sie Halt an einem großen Stein und stieß sich ab. Um sie herum rauschte das Wasser und Kylie streckte die Hände nach vorne aus um an irgendetwas Halt zu finden. Sie bekam eine Dornenranke zu fassen und ohne weiter darüber nachzudenken schloss sie die Hände darum und zog sich auf der anderen Seite über Wasser. Wie durch ein Wunder war die Strömung verschwunden. Gierig zog Kylie die Luft ein. Und da erreichte sie der Schmerz in ihrer Hand. Schnell zog sie sich ans Ufer und ließ die Dornenranke los. Erschöpft legte Kylie sich auf den Rücken und starrte in den Sternenhimmel. Ein paar Wolken verdeckten den Mond, den sie heute noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Als ihre Hand wie wild zu pochen begann, hielt Kylie sie sich vors Gesicht. Sie hatte die Hand zur Faust geballt, aus der rotes Blut bis zu ihren Handgelenken floss. Vorsichtig öffnete Kylie ihre Hand. Ihre gesamte Handfläche war von Dornen zerstochen. Stöhnend ließ sie ihre Hand wieder sinken und fragte sich, warum um alles in der Welt sie so etwas getan hatte. Und da fiel es ihr wieder ein. Die Quelle! Vorsichtig setzte Kylie sich auf und sah sich um. Sie befand sich in einem kleinen Tal mit seichten Hängen, an denen moosbedeckte Felsbrocken verstreut waren. Nur am äußeren Ende erhob sich eine schroffe, zerklüftete Felswand, die mit Moos und Farn überwuchert war. Auf halber Höhe sprudelte eine Quelle aus einem Spalt und plätscherte in einen Teich in der Mitte der Senke. Am Rande führte ein kleiner Pfad steil nach oben und endete in Dornengestrüpp. Kylie hatte noch nie so einen wunderschönen Ort gesehen. Mit beiden Händen stützte sie sich ab und wollte sich hochstemmen, als sich ihre schmerzende Hand, die sie völlig vergessen hatte, wieder meldete. Kylie spürte, wie eine Vertiefung im Boden ihr in die schmerzende Handfläche stach. Schnell zog sie die Hand weg. Die Vertiefung hatte sich jetzt komplett mit ihrem Blut gefüllt und Kylie zog überrascht die Luft ein, als sie die Pfotenspur einer Katze erkannte. Aber bevor sich Kylie weiter Gedanken darüber machen konnte, leuchtete der Teich plötzlich blutrot auf. Sie hob den Kopf und sah in den Himmel, wo gerade ein roter Mond hinter den Wolken hervorgekommen war. Es war Vollmond und mit dem roten Schimmer wirkte er auf Kylie wie eine unbelegte Pizza. Es sah furchteinflößend und wunderschön zugleich aus.  In der Mitte des Teiches war der runde Vollmond zu sehen, der es aussehen ließ, als sei der Teich voll Blut und nicht voll Wasser. In dem Blut schwammen um den Mond herum die Sterne. Langsam watete Kylie in den Teich hinein, auf das Spiegelbild des Mondes zu, bis sie schließlich darin stand. Langsam hob sie wieder den Blick und sah auf die helle rote Scheibe, die direkt über ihr schwebte. Es war, als wäre sie zwischen dem blutroten Mond und seinem Spiegelbild gefangen. Plötzlich fing es an, in Kylies Kopf zu kribbeln. Dieses Kribbeln breitete sich bald in ihrem ganzen Körper aus. Als sie den Blick wieder senkte, hielt sie die Luft an. Um den Teich herum saßen Katzen, in deren Fell sich das Licht der Sterne zu spiegeln schien. Eine wunderschöne silbergraue Kätzin trat hervor. "Sei gegrüßt Kylie, wir haben dich erwartet. Mein Name ist Federschweif. Du bist aus einem bestimmten Grund hier. Es wird etwas mit den Clans passieren, das wir nicht verhindern können. Wir können ihnen nur so viel Unterstützung schicken, wie sie brauchen und diese Unterstützung bist du. Aber bevor du ihnen helfen kannst, müssen sie dir helfen. Du musst das Geheimnis um deine Verwandlung lüften, nur durch dieses Wissen kannst du dafür sorgen, dass alles wieder zum Alten wird. Es ist deine Wahl, in welchen Clan du gehst, aber ich bitte dich, nach einem Freund von mir zu schauen. Sag ihm, er soll sein Leben weiterleben und aufhören zu trauern. Ich bin mir sicher, dass du weißt, wen ich meine, denn ich beobachte dich schon eine Weile." Die Stimme der Kätzin war gegen Ende zu einem traurigen Flüstern geworden. Kylies Mund stand offen und ihr war gerade nach Schreien zumute. Okay, sie musste träumen! Nur in Träumen gab es sprechende Katzen, oder? Wovon redete sie da überhaupt? Doch bevor sie noch mehr darüber nachdenken konnte, sprach Federschweif weiter:
"Die Gabe, die dir zuteil wird, Kylie, ist etwas ganz Besonderes! Du musst versprechen, dass du sie nicht missbrauchst und nur zum Wohle aller einsetzten wirst! Ich habe in dir ein gutes Herz gesehen und wusste sofort, dass du die Richtige bist. Versprichst du, uns nicht zu enttäuschen?" Kylie starrte die Katze an. Ihre Gedanken rasten. Der Name Federschweif kam ihr bekannt vor, aber im Moment wollte ihr überhaupt nichts einfallen. Es war ja eh nur ein Traum, es war nur ein Traum! Aber vielleicht waren das ja Killerkatzen und sie würden sie, natürlich nur im Traum, umbringen, wenn sie ihnen nicht versprach, gut mit der Was-Auch-Immer-Gabe zu sein. Deshalb nickte Kylie lahm, denn zu mehr war sie nicht imstande. Federschweifs Augen blitzen auf, wahrscheinlich vor Freude, bevor sie wieder zurück trat. Federschweif ging zu einem spitzen Stein und ritzte sich daran ihre Pfote auf, so dass diese blutete. Dann humpelte sie damit zu dem Pfotenabdruck, der mit Kylies Blut gefüllt war und drückte ihre Pfote hinein. Das Kribbeln verstärkte sich und wurde von Mal zu Mal unangenehmer. Alles begann sich um Kylie zu drehen, der Mond, Katzengesichter, aber vor allem Wasser und blutrotes Licht. Als sie das Gefühl hatte, ihre Haut werde ihr vom Leib gerissen, schrie sie entsetzt auf. Es tat nicht weh, es war nur sehr unangenehm. Kylie hatte das Gefühl, als würde sie in einer Waschmaschine stecken. Alles drehte sich, immer schneller und schneller, bis ihr schließlich schwarz vor Augen wurde.

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