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Kylie schaute staunend aus dem Fenster, als sie auf eine Art Bauernhof vorfuhren. Insgesamt standen auf dem Gelände zwei Häuser und eine Scheune. Vor der Scheune waren Koppeln, auf denen Pferde standen und in der warmen Sonne, die inzwischen wieder hinter den Wolken hervorgekommen war, grasten. Ein Weg führte vom Haus weg zu einem großen See und endete an einer verfallen Halbbrücke. Auf der rechten Seite des Sees erstreckte sich hügeliges Moorland und wenn sie nach links schaute, konnte Kylie eine Insel erkennen, die über einen umgestürzten Baumstamm mit dem Festland verbunden war. Am gegenüberliegenden Ufer konnte sie einen Laubwald ausmachen, der, wenn man weiter nach links blickte, in einen Nadelwald überging. Warum kam ihr der Ort so bekannt vor? War sie schon mal hier gewesen? Nein, daran hätte sie sich doch erinnert, oder? Ein Klicken riss Kylie aus ihren Gedanken. Ihre Mutter hatte ihre Türe geöffnet und streckte ihr die Hand entgegen. „Soll ich dir den Rucksack abnehmen?“, fragte sie. Demonstrativ schloss Kylie die Hand um den Rucksack, welcher neben ihr lag, stieg aus und marschierte, ohne ihre Mutter noch eines Blickes zu würdigen, in Richtung Haus. Langsam öffnete sie die Eingangstür und trat ein. Sofort schlug ihr der Geruch von Farbe entgegen. Der Flur war weiß gestrichen und noch nicht eingerichtet, so wie der Rest des Hauses. Als Kylie die Tür hinter sich zuzog fuhr gerade der letzte Möbelwagen vor. Vom Flur aus konnte man in drei verschiedene Räume gehen, deren Türen geschlossen waren und an der linken Seite stand eine helle Holztreppe, für die Kylie sich kurzerhand entschied. Bei jedem Schritt knarzten die Stufen laut. Oben angekommen stand sie in einem weiteren Flur, der in einem hellen Gelb gestrichen war. Die Pinsel und der Farbeimer standen noch unter einem Fenster am Ende des Flures. Bei vier Räumen war die Tür verschlossen doch beim letzten Raum auf der linken Seite stand die Tür einen Spaltbreit offen. Als Kylie den Raum betrat, konnte man die Fussel durch die Luft fliegen sehen, die von der Sonne angestrahlt wurden. Die Wände in diesem Zimmer waren in einem zarten Hellgrün gestrichen und der Holzboden hatte noch ein paar Farbflecken, die nicht weggewaschen worden waren. Kylie trat zum Fenster und öffnete es. Von hier aus konnte sie über den ganzen See blicken. Von der Insel über den Wald bis zum Moorland. Kylie atmete tief durch die Nase ein. Das würde wohl jetzt ihr neues Zuhause sein. Ihr Blick fiel auf die Menschen vor dem Haus. Die Möbelpacker trugen die Möbel ins Haus, wobei Kylies Mutter genau darauf achtete, dass sie nicht auf den falschen Platz postiert wurden. Ihr Vater redete mit einem großen Mann, der ein Klemmbrett in der Hand hielt, wahrscheinlich der Chef des Ganzen. „Kylie?“, rief ihre Mutter plötzlich von unten. „Was ist?“, fragte sie genervt. „Dieses Zimmer, in dem du stehst, möchtest du, dass es dein Zimmer wird?“ „Ja. Ja das möchte ich“, antwortete Kylie. Sie wollte sich gar nicht erst die Mühe machen, die anderen Zimmer zu besichtigen. Dieses Zimmer war in ihrer Lieblingsfarbe gestrichen und besaß außerdem die wahrscheinlich beste Aussicht. Da ging auch schon die Tür auf und ein paar Männer stellten Kartons in ihrem Zimmer ab. Zwei fingen an, ihr neues Bett für sie aufzubauen, während die anderen ihre restlichen Sachen holten. Nach kurzer Zeit war sie wieder alleine. Langsam öffnete Kylie den ersten Karton und schaute hinein. Obenauf lag ein Foto. Der Bilderahmen war mit kleinen Katzenköpfen verziert. Das Foto war an ihrem 13. Geburtstag gemacht worden und darauf waren alle Menschen, die ihr wirklich wichtig waren. Den Bilderrahmen hatte sie von Lilly bekommen. Er war etwas Besonderes, weshalb nur besondere Fotos dort hinein durften. Als Kylies Handy vibrierte, klappte sie den Karton wieder zu. Es war eine Nachricht von Lilly: Und wie ist es da so? Gibt es wenigstens ein Kino und ein Einkaufszentrum in eurem Wohnort? Kylie musste leicht lächeln. Weder noch wir sind am A*** der Welt! schrieb sie zurück und schickte ihrer Freundin ein Bild des Sees. Da ging die Tür auf und Kylies Mutter streckte den Kopf herein. „Hey Mäuschen! Die Nachbarin hat uns zum Abendessen eingeladen. Mach dich bitte fertig und komm dann runter!“

Wie sich herausstellte, war die Nachbarin eine alte Dame mit Kopftuch und einer Bauernschürze. Sie hatte viele Falten im Gesicht, doch ihre Augen strahlten eine lebhafte Lebendigkeit aus. Ihre Mutter und ihr Vater redeten viel mit ihr über den Umzug und die Arbeit, doch Kylie hörte nur mit halbem Ohr zu. Als jedoch ihr Name fiel, war ihre gesamte Aufmerksamkeit auf das Gespräch gerichtet, auch wenn sie dabei auf ihren halbleeren Nudelteller sah. „Für Kylie war der Umzug am schwersten. Sie musste alles zurücklassen, aber ich bin mir sicher, dass es ihr hier gefallen wird.“, sagte ihre Mutter. „Ab morgen wird sie auf ein Internat gehen und…“ Kylies Kopf schoss ruckartig in die Höhe und sie starrte ihre Mutter entsetzt an. „Was?“ Drei Augenpaare richteten sich auf sie, vier wenn man den Hund der Bäuerin mitzählte, der vor der Türe herumlag. „Ein Internat? Morgen? Ich hab gerade Sommerferien!“ Ihre Mutter blinzelte überrascht und schaute dann ihren Mann an. „Hast du es ihr nicht gesagt?“ Doch bevor er antworten konnte, sprang Kylie mit einer solchen Wucht auf, dass ihr Stuhl umkippte und brüllte ihre Eltern an: „Erst zwingt ihr mich dazu, hierher zu ziehen und alles zurückzulassen, was mir wichtig ist, dann schickt ihr mich auf ein Internat, damit ihr mich los werdet und jetzt habt ihr mich auch noch meiner Ferien beraubt! Ich hasse euch!!“ Dann drehte sie sich um und stürzte aus dem Haus heraus. Ihre Wangen waren tränenüberströmt, als sie die verfallene Halbbrücke am Ufer des Sees erreichte. Die Sonne war bereits untergegangen, weshalb sich jetzt tausende kleiner Sterne auf der Wasseroberfläche spiegelten. Nach einer Weile hörte Kylie Schritte hinter sich. Sie hatte sich schon ein wenig abreagiert, war aber immer noch total wütend. „Kylie, es tut mir so furchtbar leid! Ich dachte, dein Vater hätte mit dir alles abgeklärt! Es ist nicht so, wie du denkst! Du wirst nur für zwei Monate dieses Internat besuchen, weil dein Vater und ich in der Zeit viel zu erledigen haben und wir nie zuhause sein werden. Du wärst ganz allein. Aber ich verspreche dir, danach wird alles so wie früher“, sagte ihre Mutter vorsichtig. „Wie weit ist das Internat von hier entfernt?“ unterbrach Kylie sie monoton, ohne auf die Entschuldigung ihrer Mutter einzugehen. „Etwa zwei Stunden.“ „Gut. Ich möchte nicht, dass einer von euch Morgen aufsteht, um mich dort hinzufahren. Ich werde meine Sachen packen und den Bus nehmen. Dafür werde ich morgen sehr früh aufstehen und in das nächstgelegene Dorf laufen. Wenn ich angekommen bin, werde ich nicht anrufen und ich möchte auch nicht, dass einer von euch es tut, um sich nach mir zu erkundigen! Ich werde mich melden, sobald ich dazu bereit bin. Kannst du mir das versprechen?“ Kylie drehte sich zu ihrer Mutter um und sah sie kalt an. Ihre Mutter erwiderte den Blick flehend. „Aber …“ „Ihr habt mir alles genommen. Da werdet ihr es wohl hoffentlich zustande bekommen, mir diesen kleinen Wunsch zu erfüllen!“ „Also gut, versprochen! Aber wir holen dich nach zwei Monaten vom Internat ab, ok?“ Kylie nickte nur und  ging an ihrer Mutter vorbei ins Haus, um ihre Sachen für morgen zu packen. Es war wirklich das letzte Mal für zwei Monate, das ihre Eltern sie gesehen hatten.

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