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„Also, seid ihr bereit?“, fragte Spinnenfuß seinen Schüler Rennpfote und Eulenpfote. Die Mentoren hatten entschieden, dass zuerst die beiden Kater gegeneinander kämpfen sollten. Sie hatten Kylie erstmal außen vor gelassen, weil sie bisher noch nie mit ihrem Mentor trainiert hatte und aufgrund ihrer „Schwäche“.
Als Krähenfeder ihr das gesagt hatte, war sie wütend geworden und sie hatten sich, mal wieder, gestritten. „Also, als erstes werden Rennpfote und Eulenpfote gegeneinander kämpfen. Der Verlierer tritt gegen dich an und wer von euch beiden gewinnt, tritt gegen den Gewinner der ersten Runde an. Wer diese dritte Runde gewinnt, ist der Sieger. Okay?“ „Warum darf ich nicht in der ersten Runde mitkämpfen?“, hatte Kylie gefragt. „Ich habe vorgeschlagen, dass du dich erst nochmal ausruhst und da du relativ schwach bist…“ „Wie bitte? Willst du damit etwa sagen, dass ich es nicht schaffe, gegen einen Jungen zu gewinnen, weil sie ja generell viel stärker sind als Mädchen? Ich glaub', es hackt! Du hast mich doch noch nicht richtig kämpfen sehen und „nur“ weil ich ein Mädchen bin, heißt das noch lange nicht, dass ich schwächer bin als Rennpfote oder Eulenpfote!“, hatte sie ihn angefaucht. Krähenfeder war ziemlich überrascht gewesen, bevor er ebenfalls wütend geworden war. „Ich habe nie gesagt, dass du schwächer bist als Rennpfote oder Eulenpfote! Ich wollte dir nur noch ein wenig Ruhe gönnen, damit du dich nach deiner Vergiftung wieder daran gewöhnen kannst, auf den Beinen zu sein. Und was um des Sternen-Clans willen ist ein Mädchen?“, hatte er knurrend erwidert. „Ha,
wer's glaubt, wird selig! Du hättest es doch nur nicht ertragen, dass deine Schülerin schon gleich in der ersten Runde verliert und du dann als totaler Trottel da stehst. Du traust es mir doch überhaupt nicht zu, dass ich gegen einen von den beiden gewinne.“ Kylies Fell hatte sich bei diesen Worten wütend gesträubt. Er hatte sie mit glühenden Augen angesehen und kalt erwidert: „Würde ich es dir nicht zutrauen, dass du gegen einen der beiden gewinnst, dann würdest du nicht hier stehen. Ich wollte wissen, wer der Schwächere der beiden ist, damit du zuerst gegen ihn antreten kannst, um in Form zu kommen. Es ist wirklich traurig, wie wenig du deinem Mentor vertraust, Mond!“ Mit diesen Worten hatte er sich umgedreht und war auf die andere Seite gelaufen, von wo aus die anderen sie schon neugierig beobachtet hatten.
Nun standen Eulenpfote und Rennpfote sich gegenüber und warteten auf das Zeichen, um den Kampf zu beginnen. Fetzohr nickte ihnen zu und schon stürzten sich die beiden Kater aufeinander. Kylie sah immer wieder zu Krähenfeder, welcher jeglichen Blickkontakt zu ihr mied. Okay, sie hatte sich aufgeführt wie eine Zicke! Wenn sie im nachhinein darüber nachdachte, hatte er es wahrscheinlich wirklich nur gut gemeint. Kylie fühlte sich auf gut deutsch Scheiße. Nichts funktionierte. Sie war eine Katze, konnte nicht mehr mit ihrer Familie reden und jetzt war auch noch ihr Mentor sauer auf sie. Nach einer Weile konzentrierte sie sich wieder auf die fauchenden Fellknäule vor ihr. Eulenpfote gab sich wirklich tapfer, aber am Ende siegte Rennpfote. Also musste Kylie jetzt gegen Eulenpfote kämpfen. Und da wurde ihr das Ausmaß von Krähenfeders Plan bewusst. Eulenpfote war der Schwächere der beiden Kater und verletzt, weshalb es ein Leichtes sein sollte, ihn zu besiegen. Sie sah wieder zu ihrem Mentor, doch er mied ihren Blick immer noch. Ein genialer Stratege war er auf jeden Fall. Rennpfote jaulte triumphierend auf und drehte sich stolz zu seinem Mentor um. Spinnenfuß strich ihm anerkennend über die Schulter und sagte etwas zu ihm. Kylie nutzte die Gelegenheit und lief zu ihrem Mentor. „Tut mir Leid!“, flüsterte sie. Er drehte den Kopf zu ihr und nickte kurz, aber sie konnte deutlich sehen, dass er immer noch sauer war. Kylie konnte es ihm nicht verübeln. Eulenpfote kam zu ihr gehüpft. „Und, bist du bereit, Mond? Ich will dich ja nicht beunruhigen oder so, aber ich mach dich fertig!“ Sie wollte gerade etwas erwidern, als das Krähenfeder zu ihrer Überraschung übernahm. „Wir werden sehen“, sagte er ruhig. Kylie stellte sich vor Eulenpfote und wartete geduldig. Sie beobachtete ihr Gegenüber ganz genau und versuchte eine Schwäche auszumachen, so wie Sifu* es ihr gezeigt hatte. Vielleicht konnte sie nicht die Kampftechniken anwenden, aber sie könnte versuchen, sie auf einen Katzenkörper abzustimmen. Plötzlich tauchten in Kylies Kopf Katzen mit Trainingsanzügen auf, die gegeneinander kämpften. http://www.onlinewahn.de/b13b.jpg Die Idee war so lächerlich, dass sie nur mit Mühe einen Lachanfall unterdrücken konnte. Eulenpfote sah sie mit leuchtenden Augen an und wartete darauf, sich endlich auf sie zu stürzen. Sein ganzer Körper stand unter Spannung. „Hey, Kleiner, du musst dich nicht so verkrampfen, ich tu dir schon nicht weh!“, stichelte Kylie. Eulenpfote kniff die Augen zusammen und knurrte. Er warf einen kurzen Blick auf seinen Mentor und als dieser nickte, stürzte er sich sofort auf Kylie. Sie bemerkte bei dieser Bewegung, dass er die rechte Hinterpfote mitzog und erkannte, dass er dort verletzt war. Schnell machte sie einen Satz zurück und seine Pfote verfehlte sie um Haaresbreite. Kylie stieß gegen die Schulter von der Pfote, die noch in der Luft war und sie verfehlt hatte. Durch diesen Stoß drückte sie ihm seine andere Vorderpfote weg und da er auf seinem verletzten Hinterbein nicht so gut stehen konnte, verlor er das Gleichgewicht und landete auf dem Boden. Sofort sprang Kylie auf ihn, bearbeitete seinen Bauch mit den Hinterpfoten, während Eulenpfote verzweifelt versuchte, sich aus ihrem Griff zu befreien. Schließlich vergrub sie ihre Zähne an seiner Kehle und hätte sie fest zugebissen, dann hätte sie ihn umbringen können. Doch stattdessen ging sie von ihm herunter und beobachtete, wie er mühsam wieder auf die Beine - entschuldige, Pfoten! - kam. „Das war nur Glück! Außerdem habe ich die meiste Kraft schon eingesetzt, als ich gegen Rennpfote gekämpft habe!“, fauchte er. „Ja, natürlich und zusätzlich hat dich noch die Sonne geblendet“, schnaubte Kylie. Fetzohr sah nicht besonders begeistert aus, aber er schnippte mit dem Schwanz in Richtung seines Schüler und sagte: „Los, wir gehen zurück zum Lager, damit Rindengesicht sich den Kratzer an deiner hinteren Pfote ansehen kann!“ Murrend folgte er ihm, ohne sich noch einmal zu den andern umzudrehen. Plötzlich sprang Rennpfote vor sie, Kopf und Vorderpfoten auf den Boden gepresst und das Hinterteil in die Höhe gestreckt. Sein Schwanz peitschte angriffslustig hin und her. Spielerisch funkelte er sie an und miaute: „Na, dann wollen wir mal sehen, ob du mich auch so schnell von den Pfoten hauen kannst!“ Kylie ließ sich in dieselbe Stellung fallen und erwiderte: „Schneller als dir lieb ist auf jeden Fall, Kätzchen!“ Er schnurrte und sah sie belustigt an. Ein warmes Gefühl machte sich in Kylie breit. Sie hatte hier Freunde gefunden und dass, obwohl sie Welten von den Katzen trennte. „Seid ihr zwei bereit?“, fragte Krähenfeder. Beide nickten, ohne sich dabei aus den Augen zu lassen. „Na, dann los!“ Keiner bewegte sich. Jeder wartete darauf, dass sein Gegenüber zuerst angriff. Schließlich machte Kylie einen Satz nach vorne, um ihm die Pfoten unter dem Körper weg zu ziehen, doch Rennpfote stellte sich blitzschnell auf die Hinterpfoten und fuhr ihr mit seiner Vorderpfote über die Ohren. Kylie wollte sich unter dem Schlag wegducken, wurde aber dennoch leicht gestreift. Sie machte einen Satz nach vorne, direkt in den Bauch von Rennpfote und fegte ihn somit von den Füßen. Bevor sie sich jedoch in seinem Fell festbeißen konnte, rollte er sich unter ihr weg und sprang mit einem Satz wieder auf die Pfoten. Sie wollte sich zu ihm umdrehen, um ihn erneut anzugreifen, doch da war er schon auf ihren Rücken gesprungen und schlug die Krallen in ihr Fell. Kylie fauchte auf und warf sich auf die Seite. Seine eine Pfote war zwischen ihrem Körper und dem Boden eingequetscht. Er ließ sie los, um seine Pfote zu befreien, doch bevor er wieder auf den Beinen stand, hatte sie sich auf ihn gestürzt. Rennpfote rollte mit ihr über den Boden und versuchte sich über sie zu schieben. Gemeinsam rollten sie gegen einen Stein. Rennpfote lag unter ihr und wollte seine Hinterbeine in ihren Bauch treten, doch Kylie erkannte, was er vorhatte und reagierte zuerst. Sie stemmte ihm die Beine in den Bauch und drückte ihn dabei so fest zu Boden, wie sie nur konnte. Keuchend versuchte er, sich unter ihr wegzudrehen, was ihm jedoch nicht gelang. Nach einer Weile schnaufte er schließlich: „Lass mich los, du hast gewonnen!“ Gesagt, getan. Schwer atmend stieg sie von dem Kater runter und setzte sich mit zerzaustem Fell neben ihn. „Nicht schlecht!“, sagte er. Kylie sah ihn an und schnurrte: „Ich habe doch länger gebraucht als gedacht, um dich fertig zu machen.“ Nun kamen auch ihre Mentoren dazu. „Gut gekämpft, alle beide!“ miaute Spinnenfuß.

Auf dem Rückweg ins Lager ließ Kylie sich bis zu Krähenfeder zurückfallen, der ganz am Ende ihrer kleinen Truppe lief. „Warum hast du zuerst gesagt, dass du es mir nicht zutraust, gegen Eulenpfote und Rennpfote zu gewinnen, aber dann vollkommen davon überzeugt warst, dass ich es doch schaffe?“ „Ich habe nicht gesagt, dass du es nicht schaffst.“ „Doch. Du sagtest: Du hast nicht die geringste Chance gegen einen Schüler, der kurz vor seiner Kriegerzeremonie steht.“ „Dann habe ich mich wohl geirrt.“ „Nein, du hast gelogen. Denn in Wirklichkeit hast du gewusst, dass ich es schaffe. Warum also hast du mir das Gegenteil erzählt und warum warst du dir dabei so sicher, dass ich doch gewinne?“ Er schwieg eine Weile, bevor er antwortete. „Ich wollte nicht, dass du dich gleich nach deiner Vergiftung überanstrengst. Es hätte dir gutgetan, wenn du dich noch weiter ausgeruht hättest. Außerdem habe ich gesehen, wie du mit dem Hund gekämpft hast. Es brauchte keinen Profi, um zu sehen, dass das nicht dein erster Kampf war. Um ehrlich zu sein hat es mich überrascht, denn normalerweise sind Hauskätzchen nicht so gut im Kämpfen“, er warf ihr einen Seitenblick zu und verlangsamte seine Schritte noch mal. Spinnenfuß und Rennpfote waren ihnen schon um einiges voraus. Kylie erwiderte darauf nichts. Nicht, weil sie die Frage in seinem letzten Satz nicht herausgehört hatte, sondern weil sie nicht wusste, was sie darauf hätte antworten sollen. Hey, Krähenfeder, eigentlich bin ich ja ein Mensch und ob du es glaubst oder nicht, ich habe als Mensch das Kämpfen gelernt! oder Bitte halt mich jetzt nicht für verrückt, aber ich habe als Mensch einen Kampfsport namens Wing Tsun gemacht und ob du es glaubst oder nicht, es ist gar nicht schwer, die ganzen Übungen für Katzen anzupassen! Ist das nicht genial? Nein, so auf jeden Fall nicht. „Apropos, Hund. Was genau ist da eigentlich passiert? Ich meine, warum warst du so nass und warum war der Hund hinter dir her? Was hattest du mitten in der Nacht außerhalb des Lagers zu suchen und warum isst du auf einmal Frischbeute?“ Jetzt war es an Kylie, eine Weile zu schweigen. Doch Krähenfeder drängte sie nicht und ließ ihr alle Zeit der Welt, um zu antworten. Inzwischen hatten sie das Lager schon fast erreicht. Aber bei diesem Tempo wäre wahrscheinlich sogar eine Schnecke schneller da gewesen. „Erstens war es nicht mitten in der Nacht, sondern schon fast Morgen und zweitens möchte ich darüber jetzt nicht mit dir sprechen. Ich verspreche dir, dass ich es dir erklären werde, aber nicht jetzt, sondern morgen!“ Krähenfeder war zwar sichtlich nicht zufrieden mit dieser Antwort, aber er nickte knapp. Es sah so aus, als wollte er noch etwas erwidern, doch in dem Moment erreichten sie das Lager. Kylie konnte schon Rennpfote hören, der allen Katzen voller Elan berichtete, was genau beim Wettkampf passiert war. Sie dagegen konnte ein Gähnen gerade noch unterdrücken und freute sich auf ihren wohlverdienten Schlaf.


  • Der Sifu-Titel ist ein besonderer Ehrentitel. Es heißt übersetzt "väterlicher Lehrer" und liegt in der chinesischen Familientradition des Dynamic VingTshun begründet. Sifu zu sein bedeutet, eine besondere Verantwortung zu übernehmen.

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