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Als Kylie erwachte, fielen Sonnenstrahlen auf ihr Fell. Sie ließ die Augen geschlossen und genoss die Wärme, die ihren ganzen Körper durchströmte. War sie vielleicht wieder zu Hause und alles war doch nur ein schräger Traum gewesen? Doch im nächsten Moment wusste sie, dass dem nicht so war. Sie roch wieder die Kräuter des Heilers, konnte das Moos unter ihr spüren und hörte, wie Rennpfote und Eulenpfote sich draußen stritten. Sie besaß auch noch ihre geschärften Sinne. Und in diesem Moment akzeptierte sie ihr Schicksal. Es war kein Traum. All dies passierte wirklich. Sie legte den Schwanz über die Schnauze und versuchte wieder einzuschlafen. Sei es auch nur, um der verwirrenden Realität noch eine Weile zu entfliehen. „Mond, bist du wach?“, fragte da eine vertraute Stimme. Kylie blinzelte irritiert. Ihr wollte nicht einfallen, zu wem diese Stimme gehörte. Vielleicht zu Krähenfeder? Sofort schlug sie die Augen auf und blickte in das besorgte Gesicht von Rennpfote. Enttäuschung machte sich in ihr breit. Aber warum? Sie hatte doch nicht ernsthaft gehofft, dass dieser arrogante Kater nach ihr sehen würde, oder? Doch genau das hatte Kylie gehofft, was sie nur noch mehr verwirrte. „Ja“, murmelte sie. „Wie geht es dir?“ Rennpfote setzte sich neben sie. Erst da fiel ihr die Maus auf, die er neben ihrem Moosbett abgelegt hatte. Kylie versuchte, sich aufzurappeln, aber sie fühlte sich noch zu schwach und gab es deshalb auf. „Soweit so gut. Ich fühle mich, als hätte mich ein Zug überfahren!“ „Ein Zug?“ Rennpfote wirkte ziemlich verwirrt. „Ach, nicht so wichtig. Warum hast du dich mit Eulenpfote gestritten?“ „Er hat gesagt, dass er der bessere Jäger von uns zweien sei und ich habe dagegen gehalten. Apropos Jäger, wie läuft es mit deinem Training?“ „Mh… Super…“, antwortete Kylie eher wenig überzeugend. „Wir können ja mal einen Wettkampf im Jagen machen. Wer am meisten Beute fängt, hat gewonnen“, schlug er mit leuchtenden Augen vor. Du magst zwar eine miserable Jägerin sein, dafür bist du aber umso besser im Kämpfen, erinnerte sich Kylie an Federschweifs Worte. „Ähm, wie wäre es, wenn wir statt eines Wettkampfs im Jagen einen Kampfwettbewerb machen?“ Er sah sie überrascht an, aber dann sprang er auf und rief begeistert: „Ich werde gleich unseren Mentoren Bescheid sagen.“ Und schon war er aus dem Heilerbau verschwunden. Kylie sah ihm eine Weile nach und beäugte dann die Maus, die er ihr mitgebracht hatte. Ob sie auch so lecker schmeckte wie die, die Federschweif ihr gefangen hatte? Sie würde es gleich erfahren. Kylie beugte sich nach vorne und biss hinein. Sie war zwar nicht ganz so lecker wie die Beute aus dem Sternen-Clan oder die Pilz-Pizza von Zuhause (welche sie nie wieder essen würde!!!) aber es war okay. „Also, muss ich jetzt Rennpfote beauftragen, dir Frischbeute zu bringen, damit du sie überhaupt anrührst?“, fragte eine belustigte Stimme hinter ihr. Kylies Herz machte einen Satz. Langsam drehte sie den Kopf zu ihrem Mentor und blickte ihm in die meerblauen Augen. „Ich esse die Frischbeute nicht, weil Rennpfote sie mir gebracht hat.“ „Sondern? Hast du etwa beschlossen, dass sie doch keine Familien haben?“ Wäre er ein Mensch, hätte er bestimmt jetzt die Augenbrauen hochgezogen. „Nein, ich…“, sie zögerte. Immer wenn sie das Thema Federschweif ansprach, wurde er so traurig. Kylie mochte es nicht, wenn er traurig war. OMG, Kylie! Was ist denn mit dir los? Bist du jetzt seine Mutter, die sich um ihn sorgt oder was. Kann dir doch egal sein, ob er traurig ist oder nicht! War es aber nicht. „Ich erzähle es dir vielleicht später!“ Er legte den Kopf schief und musterte sie misstrauisch. Er sah einfach total gut aus. Kylie! Er ist ein Kater, kein Mensch!, rief ihr inneres Teufelchen. Aber ein verdammt gutaussehender Kater. Außerdem ist er nett und freundlich und so… Hach!, flüsterte ihr Engelchen. Wie bitte? Er ist das größte Arschloch, das es gibt!, hielt das Teufelchen dagegen. Oh Gott, sie war bereit für die Psychiatrie! Demnächst würde sie sich noch einbilden, dass ein Teufelchen auf ihrer rechten und ein Engelchen auf ihrer linken Schulter saß. Schnell schüttelte sie den Kopf, um diese seltsamen Gedanken zu verdrängen und versuchte sich auf das zu konzentrieren, was Krähenfeder zu ihr sagte. „Rennpfote kam zu mir und hat gesagt, ihr wollt einen Kampfwettbewerb machen. Bist du datz überhaupt in der Lage?“, er klang besorgt. „Ich werde das schon hinbekommen. Und dann mach ich ihn fertig!“ Er räusperte sich und sah sie ernst an. „Ich will ja nicht deine Einstellung: Normalerweise sollte man seinen Schüler ermutigen und nicht runtermachen! zunichte  machen, aber wir haben noch kein einziges Mal Kämpfen geübt! Du hast nicht die geringste Chance gegen einen Schüler, der kurz vor seiner Kriegerzeremonie steht!“ Du bist ein richtiges Naturtalent im Kämpfen!“, hatte Federschweif gesagt. Wenn sie es geschafft hatte, gegen einen Hund anzukommen, wieso sollte sie es dann nicht auch schaffen, einen Schüler zu besiegen? „Wir werden sehen!“, erwiderte sie trotzig. Er starrte sie an, sagte aber nichts. Eine Weile saßen sie sich nur gegenüber und sahen sich in die Augen. „Wir müssen reden!“ Oo, das hört sich nicht gut an! „Was ist gestern passiert?“ Was sollte sie darauf antworten? „Wie meinst du das?“, fragte Kylie und stellte sich dumm. Er kniff die Augen zusammen. „Du weißt ganz genau, was ich meine!“, knurrte er. Schnell wich sie seinem Blick aus. „Also ich…“ „Wir können los! Spinnenfuß ist damit einverstanden und Eulenpfote möchte auch mitmachen!“, rief Rennpfote und stürzte in den Heilerbau. „Hey, mein Bau ist kein Platz für große Versammlungen!“, fauchte da ein sichtlich aufgebrachter Rindengesicht, der seinen Kopf in den, jetzt überfüllten, Heilerbau gesteckt hatte. „Wir reden später!“, zischte Krähenfeder, bevor er sich an Rindengesicht und Rennpfote hinaus ins Freie quetschte. Kylie wollte Rennpfote folgen, der ebenfalls den Bau verließ, doch Rindengesicht hielt sie zurück. „Wo willst du hin?“ „Naja, wir machen jetzt einen Kampfwettbewerb mit allen Schülern und…“ „… du wirst nicht mitmachen!“ Empört sah sie ihn an. „Werd ich wohl!“ „Nein. Du bist meine Patientin und hattest gestern noch eine schwere Vergiftung. Da kannst du doch nicht ernsthaft glauben, dass ich dich heute auf ein Kämpfchen mit den anderen Schülern gehen lasse!“ „Aber genau das werde ich tun und du kannst mich nicht aufhalten!“ Mit erhobenem Schwanz stolzierte sie an ihm vorbei aus dem Heilerbau. Draußen warteten schon Spinnenfuß mit Rennpfote, Fetzohr mit Eulenpfote und Krähenfeder auf sie. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg zum „Kampfplatz“. Der Trainingsort war eine kleine Kuhle, in der ein paar Steine lagen und außenherum ein paar Büsche wuchsen. Sie war nicht so geschützt wie das Lager, aber zum trainieren reichte es. Sie lag in der entgegengesetzten Richtung zum See, also in Richtung Berge. Der Sonne nach zu urteilen, war es um die Mittagszeit. Kylie wusste, dass es töricht war, jetzt schon einen Wettkampf auszuführen. Nicht, weil sie noch nicht so viel mit Krähenfeder geübt hatte, sondern, weil sie noch geschwächt war. Und den besorgten Blicken ihres Mentors zufolge, die sie öfters spüren konnte, sah er es genau so. Als sie angekommen waren, diskutierten die drei Mentoren, wie der Wettkampf ablaufen sollte und wer gegen wen kämpft. Währenddessen unterhielt Kylie sich mit Rennpfote und Eulenpfote übte nochmal ein paar Kampftechniken. Unauffällig beobachtete sie ihn dabei und versuchte sich einige Kampftechniken einzuprägen. Da hörte sie Pfotengetrappel und als sie sich umdrehte, kam Rindengesicht angesaust. Er hatte Kräuterzeugs und ein Moosbüschel im Maul. Okay!? Als er bei ihnen ankam, ließ er es vor Kylie fallen und funkelte sie böse an. „Du bist genauso ein Dickschädel wie dein Mentor! Aber gut, wenn ich dich nicht davon abhalten kann, wirst du wenigstens diese Kräuter essen und etwas trinken, bevor du dich in eine Schlacht stürzt, verstanden?“ Kylie gab sich geschlagen und schluckte die Kräuter herunter, die er ihr mitgebracht hatte. Sie waren ziemlich bitter, aber sie beschwerte sich nicht. Dann schob Rindengesicht ihr einen, in Wasser, getränkten Moosbüschel vor die Schnauze, aus welchem Kylie brav das Wasser trank. Sie warf ihm einen dankbaren Blick zu. Auch wenn sie es nicht zugeben würde, jetzt fühlte sie sich eindeutig besser und gestärkter. Mit einem letzten wütenden Blick auf Kylie drehte Rindengesicht sich wieder um und marschierte zurück zum Lager.

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