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HandlungBearbeiten

Der junge Rabe Eduardo kann sein Glück kaum fassen: Er darf nach Kasmol, die absolute Elite-Schule für Raben und Krähen! Dort lernt er Björn kennen, einen sehr eigenwilligen und dickköpfigen Raben. Doch ist er wirklich der, der er sein sollte oder ein Spion? Aber er ahnt nicht, dass der Spion jemand ganz anderes ist...

BegriffeBearbeiten

Sambela, Königreich der Vögel, derzeit regiert vom Tyrann Sderb, einem großen Geier

Kasmol, Elite-Schule für Raben

1. KapitelBearbeiten

Stolz blickt Eduardo auf die grauen Steinmauern der Schule. Ja, er darf nach Kasmol, die beste Schule für Raben in ganz Sambela! Freudig landete er auf einem großen, kalten Stein. Plötzlich hörte er ein wütendes Krächzen: "Weg von da, sonst rupf ich dir sämtliche Federn aus!" Erschrocken sprang Eduardo vom Felsen runter. Ein großer, stattlicher Rabe schaute ihn prüfend an. "Du bist einer der Neuen, hmm? Erste Regel: Nie, nie, nie auf diesem Stein stehen! Kapiert!?" Schüchtern nickte Eduardo. "He, was soll das denn! Er wusste es eben noch nicht!" Draco, Eduardos Vater, stampfte wütend auf den großen Raben zu. "Ich bin Kämpfer." zischte dieser. "Ich darf das." Damit erhob er sich in die Lüfte und verschwand. Eduardo fühlte sich wie ein Stein. Der darf hier unterrichten? Wenn das nur ein Lehrer war, was ist dann mit den anderen Lehrern? "Kommt. Fliegen wir zum Eingang." Stumm und auch ein wenig geschockt folgte er seinem Vater.

Elda, Eduardos Mutter seufzte. "Wir müssen jetzt gehen, mein Lieber. In zwei Jahren sehen wir uns wieder." Eduardo ächzte. Wieso musste die Ausbildung zum Krieger bloß so lange dauern? Sein Vater schaute ihn ernst an. "Werde ein tapferer Krieger. In zwei Jahren." Seine Eltern drehten sich um und machten sich zum Abflug zu ihrem Hort bereit. "Wartet!", rief Eduardo ihnen hinterher. Sie drehten sich zu ihm. "Bis ... bis in zwei Jahren." "Bis in zwei Jahren!", sagten seine Eltern und flogen davon. Eduardo sah ihnen nach, bis er sie nicht mehr erkennen konnte. Dann machte er sich auf zu der Schule. Dort standen schon viele junge Vögel. Die meisten waren noch mit ihren Eltern zusammen, andere hatten sich wie er anscheinend schon von ihren Eltern getrennt. Schüchtern drückte er sich an die grauen Felswände. Plötzlich hörte er ein Lachen. Nanu? Erstaunt blickte er sich um. "Huhuuu! Hier oben!" Er blickte nach oben ... und schaute direkt in das verschmitzt grinsende Gesicht eines jungen Rabens. "Uuuaaahhhhh!" Entsetzt sprang er zurück. "Haahhhhaaahaa, du Kreischgesicht!" "Seeeehhrrr witzig. Wirklich.", antwortete Eduardo trocken. "Sei kein Spielverderber. Außerdem ... du hast geschrien wie am Spieß! Wer würde da nicht lachen?" "Ich!" Es war der Rabe von vorher, der ihn angeschrien hatte, weil er auf dem Stein gelandet war. Er stolzierte in die Mitte der Menge. "Seid still und kommt mit mir!" Sofort waren alle leise. Der Rabe war nicht nur eine eindrucksvolle Erscheinung, schon die Stimme sagte, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen ist. Alle folgten ihm hinein in die Schule.Aufgeregt schaute Eduardo sich um. Es war sehr dunkel. Das einzige Licht kam von den flackernden Kerzen, die überall an der Wand hangen. Außerdem sah Eduardo noch Gemälde, Wandteppiche und am Anfang des Ganges das Schulwappen. Es war eine schwarze Feder, die in der Mitte des Wappens seinen Platz gefunden hatte. Darüber war eine große Klaue. Auf dem Hintergrund sah man die graue Schule, die eher wie eine Festung aussah. Dann standen sie vor einen sehr breiten Wandteppich. Er verdeckte die ganze Wand. Auf dem Bild selbst sah man viele Raben, mitten in einem riesigen Schlachtfeld. Auf dem Vordergrund hatte auch ein Rabe Platz genommen, in seinen Krallen einen riesigen, aber toten Weißkopfseeadler. Der große Rabe, der die Schüler dorthin gebracht hatte, räusperte sich. "Nun, hier seid ihr, auf der besten Schule für Krähen und Raben weit und breit. " Ich ", er blickte die Schüler streng an, "bin Kämpfer Kasmir. Nun beginnt eure Ausbildung zum Krieger oder auch zum Wächter. Zuerst müsst ihr alles über unsere Schule erfahren. Ihre glorreiche Geschichte, ihre Schlachten und ihre Gepflogenheiten. Verstanden?" Alle nickten. "Schön. Dann folgt mir!" Der Kämpfer Kasmir schob mit den Flügeln den Teppich zur Seite. "Kommt!", schnarrte er. Eduardo blinzelte überrascht, als er in die Halle kam. So viele Raben und Krähen! Es war zwar für die Größe der Halle sehr wenig, aber trotzdem hatte er noch nie so viele Vögel gesehen! Zusammen mit den anderen folgte er Kasmir.

2. KapitelBearbeiten

Der Rabe sah ausgesprochen ärgerlich aus. Mit ausgebreiteten Flügeln schaute er die Schüler an. "Ihr müsst zu allererst natürlich, bevor der richtige Unterricht beginnt, alles über unsere Schule selbst wissen. Nun ja, vor langer Zeit wurden die ersten Schulen erbaut. Und so baute auch Herzog Mardeil seine eigene Schule, nämlich Kasmol, die beste Schule von allen, in der wir uns gerade befinden. Ihr werdet hier lernen, wie ihr richtig fliegt, richtig kämpft und außerdem noch alle Regeln unserer schönen Schule. Verstanden?" Plötzlich sagte der Rabe, der Eduardo so erschreckt hatte: "Ich habe nur eins nicht verstanden. Wie heißen sie überhaupt? Steinschnabel? Kreischgesicht? Oder vielleicht Schneefeder?" Alle kugelten sich vor Lachen. Nur einer nicht. "Nun komm mal mit, du Spaßvogel. Wolln wir mal sehen, ob es dir gefällt, wenn unser Deskor davon erfährt!" Plötzlich hörte er ein tiefes Brummen. "Was wird das?" Eduardo hätte am liebsten laut aufgeschrien, aber seine Stimme war plötzlich weg. Mit trockener Kehle sah er auf einen riesigen Bär. Ungeflügelte Tiere verachtete jeder Vogel. Fledermäuse und Flughunde waren zwar auch nicht gerade die besten, aber immerhin hatten sie Flügel! Der Bär hatte seine ohnehin schon winzigen Augen zu engen Schlitzen verengt. "Rtagus, schon wieder dabei, Schüler zu quälen? Und das schon beim ersten Tag! Schäm dich!" Er tapste langsam auf den Soldaten, den er Rtagus genannt hatte, zu. "Ich warne sie! Sie können uns nicht drohen, wir sind viel mächtiger als sie!", kreischte Rtagus. "Ach, verschwinde einfach." Mit einer Tatze holte er scheinbar nach Rtagus aus. "Hi-hi-hilfe!" Mit einem sehr hohen Kreischen flog (eigentlich war es eine Mischung aus Fliegen und auf dem Boden herumstolpern) Rtagus zur Schule. Dann wandte sich der Bär den Schülern zu. "Ach, keine Sorgen, meine Lieben, ich tu euch nichts. Ich bin nur ein alter, friedvoller Bär." Doch die Schüler schauten ihn misstrauisch an. "Eigentlich sollten wir zurück zur Schule.", piepste ein ziemlich kleiner Rabe. "Pah, er hat mich vor einer Strafe bewahrt. Ich glaube ihm.", sagte der freche Rabe. "Aber," setzte er hinzu, "eigentlich müssen wir zurück zur Schule, sonst kriegen wir gleich an unserem ersten Tag Ärger!" Und so marschierten sie zurück zur Schule.

3. KapitelBearbeiten

Mit gelangweilten Blick zerzupfte Eduardo das Gras der Wiese. Diese Unterrichtsstunde war wirklich sehr langweilig. Er schnappte gerade noch die Wörter einmalig, einzigartig, Held und besonders auf. Träge blickte er sich um. Den Anderen schien es nicht besser zu gehen. Sogar dem sonst so frechen Raben, der, wie Eduardo inzwischen wusste, Jasper hieß, fiel nichts Lustiges ein. Ja, der Einzige, der sich nicht langweilte, schien Sokrates zu sein, der Winzigste, aber Schlaueste von allen. Er ging den Kämpfern und Soldaten schon gehörig auf die Nerven, weil er sie ständig mit irgendwelchen, schier unlösbaren Fragen bombardierte. Eduardo blickte auf Esdorn, der die Geschichtsstunde leitete. Er redete schon die ganze Zeit über die Gründung der Schule und über den Gründer selbst. Für einen Tag Schule war das ja nicht gerade das Spannendste.

Da hörte er das Krächzen von Durgintis, dem Boten, der sagte: "Leute, eure erste Jagdstunde erwartet euch! Und wenn ihr fleißig seid und sogar schon beim ersten Schultag etwas fangt, dann bekommt ihr extra mehr zum Mampfen!" Jasper warf Eduardo einen freudigen Blick zu. Eduardo verstand sich inzwischen mit dem frechen Kerl ganz gut. Er hörte auch noch Sokrates brummeln: "So eine ordinäre Sprache! Also wirklich!" "Halt mal den Schnabel, Sokrates!" schnaubte Jasper. Alle wussten inzwischen, dass der Kleine nicht nur sehr schlau war, sondern auch sehr viel Wert auf Umgang und Benehmen legte, was Eduardo, Jasper und den anderen gehörig auf die Nerven ging. Inzwischen flatterten sie alle hinter Durgintis her. Sie hatten noch nicht einmal ihre erste Flugstunde und konnten deshalb noch nicht richtig fliegen. Der Einzige in der Truppe, der flog, war außer Durgintis ein mittelgroßer Rabe. Sein Gefieder glänzte im Licht der Sonne. Im Stillen bewunderte Eduardo diesen Raben. Wie konnte er nur schon so perfekt fliegen? Er strengte sich an und flapperte nach vorne. Dort war nämlich der Rabe, welcher so gut fliegen konnte. Er unterhielt sich gerade mit Durgintis. Vielleicht konnte der ihm einen Flugtipp geben! "Hey du, kann ich dich mal kurz sprechen?" Der Rabe drehte sich um. "Was willst du?" krächzte er, und das ziemlich unfreundlich. "Ich wollte dich nur fragen, ob du mir ein paar Tipps zum Fliegen geben kannst, du scheinst ja darin recht gut zu sein ..." Der Rabe schaute ihn entgeistert an. "Du spinnst wohl, du Schleim? Lern's selber, du Zwerg!" Und mit diesen unfreundlichen Worten schraubte sich der Rabe in den Himmel, ein Kunststück, das nur wenigen Krähen und Raben gelingt.

4. KapitelBearbeiten

"Alles was man braucht, ist Selbstvertrauen und ein gutes Gespür für das Fliegen!" sagte Frebtis, der Fluglehrer und nickte seinen Schülern zu. "Der hat leicht reden, immerhin ist er schon erwachsen und ein richtiger Kämpfer!" zischte Jasper Eduardo zu. "Nun, wer möchte es zuerst versuchen?" Alle wichen ängstlich zurück. Bis auf einen Raben, den Eduardo nur zu gut kannte. "Ich mache es!" krächzte er und ging mit erhobenem Schnabel auf Frebtis zu. Erstauntes und erfürchtiges Flüstern ging in der Menge herum. "Wow, der hat Mumm!" murmelte ein Rabe direkt neben Eduardo. "Pah, wer's glaubt!" sagte Eduardo so laut, dass er einige erstaunte, allerdings auch wütende Blicke erntete. "Ey, was war das denn?" fragte Jasper und zog ihn schnell zur Seite. "Ich kenne diesen Typen. Irgendwas an ihm gefällt mir nicht." Doch da verstummten die Anderen und auch Eduardo drehte sich um. Der Rabe schraubte sich in die Luft. Dann machte er einen atemberaubenden Sturzflug und flog so dicht am Boden, dass das Gras einknickte. Plötzlich stieg er wieder in die Höhe und landete auf einem Ast. Begeisterte Jubelrufe empfingen ihn, als er vom Ast auf den Boden sprang. "Du bist ein Naturtalent, mein Junge, ein richtiges Naturtalent! Sag mir, wie heißt du?" sagte Frebtis und überschlug sich fast vor Begeisterung. Der Rabe zögerte ein bisschen, doch dann schien er sich einen Ruck zu geben und antwortete: "Mein Name ist Björn."

Eduardo kochte vor Wut. Inzwischen schien jeder Björns ergebenster Diener zu sein, nur um von ihm ein paar Tipps zum Fliegen zu bekommen. Schleimerisch und kriecherisch war das! Der reinste Schleim. Sogar Jasper hatte er ertappt dabei, wie er Björn um Flugtipps anbettelte. Doch als Eduardo ihn zur Rede stellen wollte, sagte er nur: "Wieso nicht? Er ist ein großartiger Flieger. Und außerdem, du bist doch bloß neidisch! Die reinste Eifersucht ist es, die dich treibt!" Daraufhin war Eduardo so wütend, dass er ihm den ganzen Tag lang den Rücken zudrehte. Aber was er am Schlimmsten fand, war, dass er inzwischen von fast jedem, der mit ihm in einer Gruppe war, mürrisch angeschaut wurde. Und das nur, weil er die Wahrheit gesagt hatte: dass Björn ein Angeber ist. Daraufhin musste er aufpassen, dass sie ihm nicht die Flügel brachen. Und noch schlimmer, sogar die Lehrer verehrten Björn! Und er war nur noch der letzte Dreck. Bibbernd plusterte er die Federn auf. Er war allein im Dertorum. Der Einzige, der allein war. Alle anderen waren in einer Ecke zusammen gerückt und wärmten sich gegenseitig. Und wenn Eduardo sich zu nähern versuchte, griffen sie ihn mit Krallen und Schnabel an. Sogar Jasper hatte ihm Hilfe verweigert. "Weißt du, ich will kein Außenseiter sein." Darauf hatte Eduardo erwidert: "So, ich bin also der Außenseiter, was? Klar, verstehe, du willst ja nur Björn dienen! Um mich kümmerst du dich ja gar nicht, klar!" Es war schrecklich. In dieser Nacht blieb Eduardo noch lange wach. Doch der Schlaf war auch nicht besser. Er träumte, er würde von der Schule verwiesen, wegen mangelnder Pflege gegenüber Björn. Und alle würden ihn den Rücken zudrehen.

5. KapitelBearbeiten

Als Eduardo aufwachte, fasste er einen Entschluss: Er würde allen zeigen, was für ein toller Kerl er ist und Björn würde endlich in Vergessenheit geraten! Mit erhobenem Kopf stolzierte er durch die Schule, wobei ihn viele finster anstarrten. Doch das störte Eduardo nicht. Eilig kramte er einen zerfetzten Stundenplan heraus. "Jagen, Kämpfen und danach Härtetraining! Was für ein Tag!" Plötzlich hörte er ein merkwürdiges Flügelklatschen. Es war Jasper, der ungeschickteste Flieger von allen. "Eduardo, weißt du, das von gestern tut mir echt leid und ich ..." "Keine Zeit, Jasper. Ich überlege." "Was überlegst du denn?" Plötzlich blieb Eduardo ruckartig stehen. "Sag mal, Jasper, jeder hat eine Stärke, nicht war?" "Äähhh ... ja, schätze schon!" "Und wenn jeder eine starke Seite hat, muss jeder auch eine schwache Seite haben, hab ich recht?" "Ich weiß nicht ..." Eduardo schnaubte. "Björn mag zwar gut im Fliegen sein, aber ich wette, dafür ist er schlecht in Jagen! Ist klar, oder?" "Na ja ..." "Oder halt in Geschichte oder Härtetraining oder Kämpfen oder vielleicht sogar in allem, was weiß ich? Aber eins ist sicher ... falls nicht, werde ich vielleicht noch ein bisschen nachhelfen ..." "Aber ..." "Ach, lass meine Pläne einfach Pläne sein, ja? Aber verrat mich nicht!" Er tauchte in der Menge unter und grinste. Hoffentlich war er in Jagen schlecht! Seine Eltern hatten ihm nämlich erzählt, dass jeder Krieger seine Beute später selbst jagen muss! Mit hämischen Grinsen sah er zu dem Kämpfer, der unterrichtete. "Nun, wir werden nach der Reihenfolge jagen. Und der erste Kandidat auf meiner Liste ist ... Eduardo!" Mit erstauntem Blick kletterte Eduardo zu dem Fluglehrer. "So, beginn!" "Wa-was? Jetzt schon?" "Beginn einfach!" sagte er und stupste ihn runter vom Ast.

Eduardo schwang sich überrascht in die Luft. Dann verschwand er im Wald. Instinktiv flog er leise. So still und heimlich wie möglich landete er auf dem Ast eines Baumes. Dann suchte er den Waldboden nach Beute ab. Es dauerte, aber schließlich wagte sich eine braune Maus aus ihrem Versteck. Eduardo hielt die Luft an. Dann stieß er sich leise vom Ast runter. Als die Maus ihn bemerkte, war es schon zu spät. Er schnappte sich das panisch fiepsende Tier und tötete es rasch mit einem Biss ins Genick. Und da explodierte sein Kopf auch schon vor Fragen. Wann soll man wieder zurückkommen? Wie viel soll man fangen? Soll man bestimmte Tiere fangen? Schließlich fing er noch einen Siebenschläfer und ein Eichhörnchen. Dann kehrte er zurück. Als der Lehrer ihn erblickte, riss er erstaunt die Augen auf. "Bei aller Beute, die ich je gefangen habe, so viel habe ich noch nie an meinem ersten Tag gefangen! Du bist ein Naturtalent, mein Junge, ein Naturtalent! Bist sicher der beste Jäger der ganzen Truppe!"

6. KapitelBearbeiten

Lachend flog Eduardo in die Luft und warf Laub und Blätter nach Jasper. Dieser wich schnell aus und flatterte ebenfalls in die Luft. Das Fliegen gelang ihm immer noch nicht so gut, aber er konnte es. Aber gegen Eduardo, der viel besser flog (aber noch längst nicht so gut wie Björn) hatte er keine Chance. Als er beinahe von einem Schwall Blätter erwischt wurde, sagte er: "Okay, okay, ich geb's auf. Sonst ersticke ich noch unter dem Laub." krächzte er und schüttelte sich. Da kam Sokrates herbeigeflogen. "Na, Sokrates," meinte Jasper gähnend, "bist du sicher, dass das Cerat erlauben wird?" "Klar, ich ..." Doch Sokrates kam nicht zum Reden, denn plötzlich packte ihn ein Kämpfer am Flügel. "Nichts erlaube ich dir!" "Aber ..." "Nein! Und Abmarsch, ihr müsst noch zum Geschichtsunterricht!" Und damit flog er davon. "Siehst du, ich hätte darum gewettet, wenn Cerat nicht so schnell da gewesen wäre!" sagte Jasper. Eduardo nickte. "Tja, Sokrates, der alte Cerat lässt keinen ausreden oder etwas erlauben. Es wäre ihm sogar egal, wenn man ihm eine selbstgefangene Maus anbietet, und er ist immerhin einer der schlechtesten Jäger, die ich kenne." "Aber wieso ..." "Ach komm schon, der lässt doch nie einen ausreden. Kaum will man den Schnabel aufmachen, stopft er ihn schon. Das habe ich schon mal selbst erlebt!" sagte Jasper ernst. Eduardo lachte. "Das war vor einem Mond und du denkst immer noch dran!" "He, Jasper, Eduardo, in einem Punkt hat er recht: Wir sollten uns wirklich beeilen, sonst kommen wir zu spät zur Stunde!" Und damit flog Sokrates davon, Richtung Kasmol. "Unser kleiner Streber," sagte Jasper sanft, "immer auf Zack, wenn's um den Unterricht geht. Ach ja ..." Eduardo grinste. Jetzt war er schon seit vielen Monden hier, auf Kasmol, mit seinen besten Freunden. Inzwischen war er auch beliebter geworden, obwohl es noch immer die Björn-Fans gab, die Eduardo böse Blicke zuwarfen, was ihn aber auch nicht störte. Ja, hier war es perfekt.

7. KapitelBearbeiten

Es raschelte. Eduardo gähnte. Mit müdem Blick sah er sich um. Plötzlich sah er, wie Björn sich aufrichtete und leise zur Tür zu schleichen schien. "He, was wird das?" fragte Eduardo empört. "Nichts, ich bin aufgewacht." - "Und wieso bist du dann zur Tür gegangen?" - "Bin ich gar nicht!" Und mit diesen Worten flog er zu seinem Platz und schloss die Augen. Ist er ein Spion?, überlegte Eduardo.

Seit voriger Nacht hatte Eduardo das erwartet. Schnell tat er so, als würde er schlafen. Mit einem halb offenen Auge beobachtete er, wie Björn zur Tür schlich und sie so leise wie möglich öffnete. So, du hast also vorige Nacht nichts getan, hhmm? Das werden wir ja sehen!, dachte er sich und flatterte Björn nach. Den leisen Flug beherrschte er perfekt. Still und heimlich folgte er Björn durch Kasmol, bis zum großen Felsbogen, der den Ausgang der Schule darstellte. "Jetzt hat der Typ doch tatsächlich schon mindestens fünf Regeln gebrochen! Aber wohin will er?" murmelte Eduardo. Plötzlich landete Björn. Er seufzte und flüsterte: "Endlich mal allein!" Eduardo schluckte. Ruhig Blut, Eduardo. Was ist eigentlich so unnormal? Er hat gesprochen. Aber... täusche ich mich oder war das tatsächlich eine Mädchenstimme? "Das gibt's doch nicht!" rief Eduardo. Sofort drehte sich Björn (die eigentlich nicht Björn war), um. "Du bist mir nachgeschlichen!" - "Ja, gerade rechtzeitig, um zu sehen, dass du ein Mädchen bist!" - "Aaaahhhh! Ihr Jungs seid doch alle gleich!" Mit diesen Worten flog sie auf ihn zu. Doch kurz vor ihm stoppte sie. "Ach, es hat doch keinen Sinn." Mit diesen Worten landete sie und ließ den Kopf so hängen, dass ihr Schnabel den Boden berührte. "Aber...wieso bist du ein Mädchen? Mädchen dürfen nicht in Schulen!" - "Das weiß ich selber!" kreischte sie. Erschrocken wich Eduardo zurück. "Jetzt ist es auch schon egal. Ich muss mich wohl bei dir entschuldigen. Weißt du was, ich erzähle dir meine Geschichte." Kraftlos ließ sie ihre Flügel sinken. Eduardo traute seinen Ohren und Augen kaum. War das die arrogante Björn, die ihm nicht beim Fliegen helfen wollte? Er erkannte sie kaum wieder. "Na schön, erzähl mir deine Geschichte." sagte er. Björn nickte. "Also, sie beginnt so..."

8. KapitelBearbeiten

"Wie du schon bemerkt hast, ist mein Name natürlich nicht Björn. Byala ist mein wahres Ich, und der Name passt mir irgendwie viel besser als Björn." - "Vielleicht, weil du ein Mädchen bist?" - "Sei still und hör zu! Also, als ich geschlüpft bin, war nicht der allergünstigste Moment dafür. Meine Mutter litt nämlich an einer seltenen Krankheit und war zu schwach, um mich auszubrüten. Deshalb wurde ich von Terea, der Quaria unseres Hortes, ausgebrütet. Nicht einmal mein Vater konnte dabei sein, denn dieser befand sich mitten in einer Schlacht. Aus dieser Schlacht ist er nie wieder zurückgekehrt. Meine Mutter starb kurze Zeit später, als die Todesnachricht meines Vaters sie erreichte. Sie ließ sich vom Baum fallen, aus Verzweiflung. Wegen ihrer Krankheit konnte sie nicht fliegen. So stürzte sie sich in den Tod. Doch durch Terea machte es mir nichts aus. Sie hegte und pflegte mich. Es war ein tolles Leben. Aber eines Tages kam Pay, auch ein Bewohner meines Hortes, nach Sterja, auch einer Schule. Terea hatte mir noch nie etwas von Schulen erzählt, deswegen bombardierte ich sie gleich mit Fragen. Sie beantwortete mir alle, aber als ich sie fragte, wann ich auf die Schule kommen würde, erklärte sie mir, dass nur Jungs auf die Schule dürfen, was ich schrecklich ungerecht fand. Ich war in den nächsten Tagen furchtbar depremiert. Ein paar Tage ließ mich Terea in Ruhe, doch schließlich hatte sie es satt. Am nächsten Tag überredete sie mich zu einem Ausflug. Wir flogen zu einer Höhle. Aber was mich dort erwartete, war der reine Wahnsinn. Terea lehrte mich Fliegen, Kämpfen, hart zu sein und mich wie ein Junge zu benehmen. Das ging noch lange so. Schließlich war der Tag gekommen, um zur Schule zu fliegen. Terea begleitete mich. Und so bin ich hierhergekommen. Um zu kämpfen für die Vogelheit. Um zu kämpfen gegen Sderb, den König, der sich unfairerweise selbst gekrönt hat. Das ist meine Geschichte."

9. KapitelBearbeiten

Eduardo sprang auf einen Ast. "Also, wenn ich das richtig verstehe: Du bist ein Mädchen, dass unerlaubt auf diese Schule gekommen ist? Wenn ja, du bist wirklich die Blödeste, die mir je begegnet ist! Im Ernst!" Ehe Byala noch etwas erwidern konnte, krachte es so laut, dass Eduardo dachte, dass er taub würde. Und der Lärm kam von der Schule. Beide drehten sich zu der Schulfestung. Es schien, als wäre ein riesiger Teil der Mauer weggesprengt worden. Vögel schrien auf. Eduardo und Melanie schauten sich an. "Uch, das hat sich aber übel angehört." - "Meinst du, wir sollen etwas machen?" - "Na ja, wir können ja nicht einfach hier rumstehen, oder?" - "Aber wie konnte diese Explosion entstehen?" - "Schauen wir doch einfach mal nach!" In stummem Eingeständnis flogen die Zwei zur Schule.

Inzwischen schien die ganze Schule aufgewacht zu sein. Alles flog verwirrt und aufgescheucht herum. Da erblickte Eduardo Jasper. Als er ihn neben Byala (Jasper denkt noch immer, sie ist ein Junge namens Björn) fliegen sah, fielen ihm fast die Augen aus dem Kopf. "Eduardo! Ich - ich dachte, du hasst ihn!" Eduardo seufzte: "Ach, das ist schon in Ordnung. Außerdem ist sie eine sie und heißt Byala." - "Was?" schrie Jasper verdutzt. Byala schubste Eduardo im Flug. "He, was soll das?" fragte Eduardo verdutzt. "Toll, Superhirn! Du kannst Geheimnisse wirklich gut für dich behalten!" Jasper war verwirrt. "Ein Mädchen? Eine sie? Eine sie, die Björn heißt?" Byala verdrehte die Augen. "Es ist nicht gerade der beste Moment, um über mein Geschlecht und meinen Namen zu grübeln. Falls ihr es noch nicht bemerkt habt, die Schule brennt." Damit hatte sie recht. Irgendwie hatte sich Feuer ausgebreitet in der Schule. Panik ergriff viele Schüler und auch so manchen Lehrer. Die Hitze schlug Eduardo heiß entgegen. "Wasser! Wir brauchen Wasser!"-"Wow, darauf wäre ich nie gekommen! Und woher bitte schön?" Zum Erstaunen des Duos antwortete Jasper: "In der Nähe der Höhle vom Bären gibt es einen Bach! Von dort können wir mit den Essenschüsseln Wasser holen!" Bewaffnet mit Schüsseln und einer gehörigen Portion Mut, flogen drei junge Krähen zu einem kleinen Bach.

10. KapitelBearbeiten

folgt

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